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ROLLER-REISE

MIT DER ALTEN VESPA AUF DEN GROSSGLOCKNER


Text: Torque Twister
Fotos: Dirty Harry (4), Grohag (2)
 

SAUMPFAD ÜBERS HOCHTOR

Motoralpinismus – der Ruf der Pasterze: Mit historischen Motorrollern durch alle außertropische Klima- und Vegetationszonen


Großglockner Vespa
 


Die Erstürmer der Gipfel der Welt – unsere Vorbilder. Grenzenlos der Wunsch, es ihnen gleichzutun. Mit den Bergen die Kräfte zu messen, allein dies zählt wirklich. Noch immer ist die Bewingung des Großglockners, des höchsten Gipfels der österreichischen Alpen, eine der verlockendsten Herausforderungen für den Motoralpinisten. Die Aufgabe, die ich mir gestellt hatte, war schwer: Nicht mit Pkw oder Motorrad, sondern mit kleinen historischen Vespa-Rollern würde der Anstieg erfolgen. Der Großglockner mit 125 Kubik, das ist wie der Nanga Parbat ohne Sauerstoff.

Das Vorhaben sollte im klassischen Expeditionsstil durchgeführt werden. Ein Team musste rasch zusammengestellt sein, denn die klimatischen Verhältnisse am Großglockner lassen eine Aussicht auf Erfolg nur während der Sommermonate zu. Mit von der Partie sind Elsbeth, eine junge Wissenschaftlerin, die auf den Pockhorner Wiesen die Bergmähder unter bestäubungsökologischen Aspekten untersuchen will sowie später, in größerer Höhe, sich mit dem Grüßen des Murmeltiers befassen möchte.

Harry, der Kärntner Kameramann, ist nur deswegen dabei, weil sich in der gebotenen Kürze der Zeit kein geeigneter Ersatz finden lässt. Er ist ein wortkarger, in sich gekehrter Geselle mit schlechten Manieren, aus dem man nicht recht schlau wird. Erst später sollte sich herausstellen, dass die Hoffnung auf leicht zu erwerbendes Tauerngold der einzige Grund für seine Bewerbung um Aufnahme in das Team war. Schließlich außer mir noch Sherpa Pabahali, der die zweite Vespa, eine alte P 200 E, führen soll.

Das Basislager ist Seeboden am Millstätter See, denn wir wollen über die klassische Südroute entlang Heiligenblut, mit einem Abstecher zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, ansteigen. Um drei Uhr früh brechen wir noch vor dem Morgengrauen auf. Die Fahrt bis Heiligenblut verläuft wie erwartet problemlos, nur der Zustand von Pabahalis betagter Vespa gibt mir Grund zur Sorge. Insgeheim mache ich mir Gedanken, ob ich die allerletzten Höhenmeter nicht besser allein auf mich gestellt bewältigen sollte.
 
Großglockner Vespa
Großglockner Vespa
 

Kurz nach Heiligenblut haben wir eine Begegnung mit räuberischen Bewohnern der Hochtäler: Freibeuter am befestigten Eingang zur Passstraße fordern nachdrücklich Wegemaut. Wir wollen verhandeln, da die Reisekassa knapp bemessen ist. Erst das Vorweisen eines Schreibens mit Rundstempel der Großglockner Hochalpenstraßen AG, das uns als genehmigte Expedition ausweist, ermöglicht uns ein Weiterkommen. Zwei Aufkleber für die Vespas und freundliches Winken der ansonst herzensguten Menschen begleiten uns beim Anstieg.

Beim Kasereck die ersten Kameraeinstellungen für die spätere Dokumentation der Expedition. Sherpa Pabahalis Annäherungsversuche an Elsbeth werden zusehends aufdringlicher, und ich fürchte mich schon davor, was nach dem Einbrechen der Dunkelheit noch alles auf uns zukommen könnte. Die Arbeiten schreiten nur langsam voran, nach dem geänderten Zeitplan sehe ich die Übernachtung auf einem der Versorgungsposten nahe der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe vor. In der Abendkühle fröstelnd, wollen wir Quartier suchen. Wie Vagabunden bitten wir um Obdach und Nahrung. Erfolglos, alle wärmenden Stunden sind voll belegt, wir müssen wild biwakieren.

Weil das Notzelt nicht allen vier Personen Platz bietet, treffe ich ein harte Entscheidung: Kameramann Harry muss draußen bleiben und die Vespas bewachen. In der Mitte zwischen Sherpa Pabahali und Elsbeth liegend, versuche ich einzuschlafen, aber die klirrende Kälte verhindert alle Versuche einer Erholung von den Strapazen. Außerdem gehen uns zu viele Gedanken der Ungewissheit durch unsere Köpfe. Immer wieder schrecke ich auf: An manchen Stellen gibt der Berg Töne von sich – manchmal ist es ein gleichbleibender Summton, manchmal ist es das Klocken (wie das Geräusch des Steinschlags bezeichnet wird, auf das auch der Name Glockner zurückgeführt wird).
 
Großglockner Vespa
 
Großglockner Vespa
Der Originaltext der Großglockner-Bezwingung
per Vespa erschien erstmals in „Motorradmagazin“,
Ausgabe September 1997
 

Kurz nach vier Uhr morgens beginne ich, Tee zu kochen. Die kindskopfgroße Schneescholle, die noch vom Vorabend im Zelt liegt, gebe ich brockenweise in den Topf. Das Wasser erwärmt sich nur langsam, abwechselnd trinken wir. Da unsere Essvorräte zur Neige gehen, müssen wir uns auf einen Handel mit einem vorbeikommenden Automobil-Alpinisten einlassen: Für einen Roller-Rückspiegel erstehen wir das Hirn eines Jaks und bereiten es gleich als Frühstück zu.

Sofort nach dem Aufbruch ereilt uns abermalig das Pech: Der Kupplungskorb von Sherpa Pabahalis alter P 200 E hat sich gelockert, die Kurbelwellenlager beginnen sich zu verreiben, außerdem zieht der Vergaser falsche Luft. Ich hatte es gewusst! Wir kommen nur mehr unendlich mühsam voran. Im dichten Nebel beschreibt unsere Route immer wieder unbeabsichtigte Kreise, und wir ziehen oft bis zu fünf Mal an derselben Stelle vorbei. Wie weit ist es noch bis zur Edelweißspitze? Stunden oder Tage? Ich habe kein Verhältnis zur Zeit mehr, habe aufgehört, sie zu messen, einzuteilen.

Erst ab 2400 Höhenmetern, unsere Konditionsreserven sind aufgebraucht, beginnt sich der Nebel zu lichten. Plötzlich und aus einer gänzlich unerwarteten Richtung können wir die Edelweißspitze erkennen. Wir nehmen unsere kaum mehr vorhandenen Kräfte zusammen, eilen auf den Gipfel zu! Tränenblind vor Glück – oder ist es die nahende Schneeblindheit? – fallen wir uns um den Hals. Erst nach dem Abklingen der Gefühle können wir dann unsere Fahne setzen. Um eine Erkenntnis reicher treten wir den kurvenreichen, schwunghaften Abstieg an: Den Glockner kann man nicht besiegen. Man kann nur sich selbst besiegen.


 

DIE GESCHICHTE DER GROSSGLOCKNER HOCHALPENSTRASSE
Im fünften Jahrhundert vor Christus wuschen die Kelten Gold aus den Tauernbächen; zu römischer Zeit führte ein Saumpfad über das Hochtor. Um 1600 kamen zehn Prozent der Weltproduktion an Gold aus dem „kleinen Peru der Alten Welt“. Ende des 19. Jahrhunderts erlosch der transalpine Handel über das Hochtor.
Der ursprüngliche Plan für eine touristische Glocknerstraße sah nur ein Schottersträßchen von drei Meter Breite vor. 1930 wurde mit den Bauarbeiten begonnen – die Arbeitslosigkeit in Österreich betrug 26 Prozent, so konnten zumindest 3200 „Glocknerbaraber“ beschäftigt werden, die im Schweiße ihres Angesichts schufteten. 1934 überquerte der Konstrukteur der Straße, Hofrat Dipl-Ing. Franz Wallack, erstmals die Scheitelstrecke mit einem verstärkten Steyr-100-Automobil. Heute „bewältigen“ knapp eine Million Besucher jährlich die 58 Kilometer lange Mautstraße mit ihren 38 Kehren.
 
Großglockner Bauarbeit
„Glockner-Baraber“ Anfang
der 1930er-Jahre
Großglockner Franz Wallack
Straßenkonstrukteur Franz Wallack
inspiziert die Strecke
 

WICHTIGE PUNKTE DER STRECKE
Kasereck, 1930 m: naturkundliche Information, Aussichtspunkt. Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, 2369 m: Glocknerblick, Pasterze, Gletscherbahn, Nationalpark-Informationsschau. Hochtor, 2503 m: Kelten- Römer- und Säumerweg. Elendboden, 2338 m: geologische Freilandausstellung. Römerbogen, 2320 m: Greifvögel-Information. Fuscher Törl, 2428 m: Panoramablick. Edelweißspitze, 2571 m: höchster Punkt der Straße, Panoramablick. Obernaßfeld, 2260 m: Museum „Alpine Naturschau“, botanischer Lehrweg. Piffkar, 1620 m: Naturlehrweg mit Vogelstimmen. Detallierte  und aktuelle Infos über die Großglockner Hochalpenstraße: www.grossglockner.at

WEITERE TOURENTIPPS IN DER GLOCKNERGEGEND
Nockalmstraße im Nationalpark Nockberge: 34 Kilometer lange Mautstraße, fast durchgehend gut ausgebaut, zwischen den markanten Gipfeln des Königsstuhls und der Rosennock. Gerlos-Alpenstraße: hervorragend ausgebaute Mautstraße – die schönste Verbindung zwischen Salzburg und Tirol. Die Krimmler Wasserfälle sind eines der bedeutendsten Naturdenkmäler Europas.



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