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Nicht ganz zufällig haben die legendären „Wachaumaler“ früherer Tage viel dazu beigetragen, die Wachau weltweit bekannt zu machen und den Tourismus anzukurbeln. Später kamen zahlreiche Filmproduktionen dazu, die bis heute im Fernsehen unzählige Male wiederholt wurden, dazu einige Fernsehserien.

Gibt es einen besonders typischen Wachauort am Nordufer, sozusagen den „wachauerischsten“ von allen? Auch das Südufer (nachzulesen in „motomobil“ Folge 007 oder auf www.motomobil.at) hätte da einiges zu bieten. Die Favoriten wie Dürnstein mit dem beeindruckenden blauen Turm der Stiftskirche, seiner schmalen Ortsdurchfahrt und der markanten Ruine, Weißenkirchen mit Teisenhoferhof und der gotischen Wehrkirche Mariä Himmelfahrt, Spitz mit dem Klassiker Rotes Tor, dem Tausendeimerberg und der Mauritiuskirche am unvergleichlichen Hauptplatz sind in aller Munde und werden hoffentlich noch einige Jahrhunderte lang die dankbarsten Fotomotive entlang der Donau abgeben. Das verwinkelte Stein bei Krems mit seinen erstaunlichen Bergauf-bergab-Fußwegen gehört in die ganz enge Auswahl. Ebenso die reizvollen Orte Wösendorf und Joching, die zum Teil jetzt noch so aussehen, als ob gerade Dreharbeiten zu einem Wachau-Film der 1950er-Jahre stattfinden, Hans Moser und Waltraud Haas sind nur ein paar Schritte ums Eck entfernt.

091 Wachau Landpartie kl
Erntedank in
Wösendorf
043 Wachau Landpartie kl
An diesem schönen Ort fand die Trauung eines
legendären österreichischen Politikers statt

082 Wachau Landpartie kl
Wachaustimmung in
Wösendorf
020 Wachau Landpartie kl
Top-Winzer Karl Holzapfel freundet
sich mit dem Honda-Roller an
 
Mit dem Roller sind wir gemütlich unterwegs und haben reichlich Zeit zum Flanieren – und so ist das mittelalterlich-verwunschen bis märchenhaft wirkende Schwallenbach der „motomobil“-Lieblingsredaktionstipp, nur ein paar hundert Meter von der heißen Ufermeile zwischen Spitz und Emmersdorf entfernt. Klar kommen hier die Donauradfahrer durch, aber invasive Touristenströme wie in den Orten, wo die Donaukreuzfahrten anlegen, sind Lichtjahre weit weg. Ein genüsslicher Spaziergang lohnt sich – und zwar, weil die definitive Attraktion fehlt und es auch kein haubengekröntes Wirtshaus gibt, aber das Gesamt-Ensemble perfekt passt: üppig blumenbewachsene Miniaturgärten, eine spätgotische Wehrkirche als heutige Filialkirche und eine kleine Labestation für Radfahrer, das ist’s.

Es gibt aber auch so richtig unbekannte und vergessene Flecken, zum Beispiel den Weiler Köfering, auf dem Weg ins Waldviertel nur 1200 Meter von Groisbach am Donauufer entfernt. Hier kommt kaum ein Tourist durch, man fühlt sich mindestens so abgeschieden wie in einem Osttiroler Gebirgsdorf. Die gewundene Straße nach Köfering und Obsthängen entlang weiter ins Waldviertel hat kaum mehr als Autobreite. In Köfering selbst gibt’s sogar Durchfahrten mit kaum mehr als Lenkerbreite. Es ist überhaupt eine gute Idee, mit einer Wachaureise einen oder mehrere Abstecher ins Waldviertel zu verbinden: Fast alle der Perlen am Donauufer sind direkt verknüpft, man kann über die gesamte Länge der Wachau im Zickzackkurs ins Waldviertel und wieder zurück. Sogar auf öffentlich befahrbaren Offroadstrecken, wie zum Beispiel durchs Mieslingtal von Spitz nach Habruck. Nach Köfering wohl dem verschlafensten Flecken direkt neben dem prallen Leben der Wachau. Nie ist hier eine Menschenseele zu sehen, doch zeugt eine Postbusstation von Aktivitäten.

Hier wird’s entrisch, das Waldviertel lockt stellenweise nicht nur mit fehlendem Datenempfang, sondern manchmal gleich ganz ohne Handyverbindung. Außerdem mit höchst empfehlenswerten Restaurationsbetrieben – wie etwa dem Gasthaus Langthaler in Pömling, wo nur erstklassiges Fleisch, Wildbret, Obst und Gemüse aus eigener Produktion auf den Tisch kommt, oder dem weithin berühmten Gasthaus Schwarz in Nöhagen.

0158 Schwallenbach kl
Märchenhaftes
Schwallenbach
079 Wachau Landpartie kl
Dürnsteiner Katzensprung,
der „Staatsvertragswein“
080 Wachau Landpartie kl
Das „Staatsvertragstelefon“
im Kellerschlössel
 
 
Rund um Albrechtsberg kommen wir durch kleine verschlafene Nester wie Els, mit schrulligem, wirrem Gassengeflecht und urigen alten Wirtschaftsgebäuden. In der Ortschaft Neusiedl wird die Straße zwischen den Häusern so eng, dass man das Tempo Richtung Schrittgeschwindigkeit verlangsamen muss. Solche entrückten Passagen gibt es in der Gegend gleich mehrere: Auch bei Elsenreith wird der Weg durch Amstall superschmal; will man gar durch den Weiler Bengelbach, muss man durch die Scheune des örtlichen Bauernhofs fahren.

Bei Vießling im Spitzer Graben kann man auf die wunderbare kleine Weinpanoramastraße ausweichen, eine Saumstraße in den Weinbergen, die Abgeschiedenheit und Panoramablicke garantiert. Die etwas bizarr wirkende Betonbüste, die einem fast nur dann auffällt, wenn man Mühldorf in nördlicher Richtung durchfährt, ist übrigens das Antlitz des preußischen Wohltäters Friedrich Wilhelm Raiffeisen und sie steht deswegen da, weil hier 1886 die erste österreichische Raiffeisenkasse gegründet wurde. Mühldorf hat ein sehenswertes Bäckereimuseum mit Café und Konditorei sowie die Burg Oberranna, die zu einem stilvollen Schlosshotel revitalisiert wurde. Von hier erreichbar ist mit 960 Metern ist der Jauerling die höchste Erhebung der Wachau. Die breite Straße auf den Kogel hat Rennpistenqualität und erfordert gefestigten Charakter. Oben steht ein legendärer Rundfunksender, der bis in den Wienerwald ausstrahlt, eine kuriose Kantine und eine knarrige Aussichtswarte, von der man bis ins Voralpenland und nach Ungarn sieht.

Wie gesagt, ein guter Motorroller ist für die Wachaureise zweifellos das beste Fahrzeug. Am besten mit genügend Gepäckraum, um die vielen kulinarischen Souvenirs gut heimzubringen. Jetzt noch schnell zur guten Bäckerei Schmidl in Dürnstein, damit wir uns mit der nötigen Ration an Original Wachauer Laberl (bekannt und beliebt seit 1905) eindecken können, bis zum nächsten Mal.