Banner
Banner
Banner
Banner


ROLLER-REISE

MIT DER VESPA AUF PONZA


Text: Name
Fotos: Motomobil, Associazione Isole Ponziano (1)
 

DER GESCHMACK DES MEERES

Hier ist es nicht groß, aber doch ziemlich verwinkelt. Daher ist das Wetter auf Ponza irgendwo immer schön, so sagt man


Vespa-Reise Ponza
 

 
Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt, dann sieht sie eigentlich fast blass aus im Vergleich zum Spektakel, das sich fast täglich auf (dem gar nicht so weit entfernten) Ponza darbietet. Am Panoramaparkplatz über dem Bilderbuchstrand Chiaia de Luna wird auf den Sonnenuntergang gewartet wie von der klatschbegeisterten Meute am Mallory Square oder am Sunset Pier in Key West.

Dann ist es freilich ein bisschen Pech, wenn sich die Sonne justament ein paar Minuten vor dem Ereignis hinter eine Wolkenbank verabschiedet. Aber es gibt auch einen nächsten Abend. Und wenn man sogar einen Platz oder die Jahreszeit erwischt, in der sie genau zwischen den Felszacken der gegenüberliegenden Insel Palmarola untergeht, so ist das grandiose Schauspiel von keinem Tourismusbüro der Welt auch nur annähernd bezahlbar.
 
Vespa-Reise Ponza
Vespa-Reise Ponza
 

Schön, dass man die ergreifende Stimmung entlang der gesamten Westseite von Ponza genießen kann. Die Ponzesen wissen zu das schätzen, und so haben sie die Statuen von Inselheiligen wie Pater Pio oder die Madonnina vorzugsweise an aussichtsreichen Plätzen installiert.

Auch der nächste Punkt geht an das Pontinische Archipel: Es ist wahrscheinlich die Inselgruppe mit den beeindruckendsten und vielfältigsten Felsformationen und der bizarrsten Küstenlandschaft im gesamten Mittelmeer. Eine möglichst große Bootsrundfahrt ist Fixpunkt während eines Ponza-Besuchs: Grotten und Höhlen alle paar Meter und in den verschiedensten Farben (auch eine Grotta Azzurra gibt es natürlich); Faraglioni sonder Zahl; ein Arco Naturale nach dem anderen; schroffe Steinkathedralen von romanisch bis gotisch; Piscine Naturali als Felsmuscheln fürs Badevergnügen.

Vespa-Reise Ponza
Vespa-Reise Ponza
 

Dazu kommen unterirdische Gänge der alten Römer; oder ihre künstlichen Höhlenbecken, in denen Muränen für den Verzehr gemästet wurden. Heute sind sogar die Garagen mancher Auto- und Mopedverleihe platzsparend in Grotten und Felsnischen angelegt.

Womit wir bei einer weiteren ponzesischen Attraktion wären: dem Fisch frisch auf den Tisch. In der Nähe der Insel liegt eine der tiefsten Stellen des Mittelmeeres. Es findet ständiger Wasseraustausch statt, und somit gibt auch kaum eine mediterrane Fischart, die nicht in den lokalen Restaurants serviert wird. Tiefseepionier Jacques Piccard testete hier 1953 sein berühmtes Tauchboot „Trieste“ und unternahm einen Rekordtauchgang auf eine Tiefe von 3150 Metern.

Vespa-Reise Ponza
Vespa-Reise Ponza
 

Die Feinschmecker am Festland wissen das selbstverständlich – in den Monaten des Hochsommers finden aus Neapel und Rom wahre Pilgerreisen statt. Im Juli und im Ferragosto wird gescheffelt, dass sich die Schiffsplanken biegen, vorher und nachher ist es ruhig und tiefenentspannt. Im kargen Winter haben die 3000 Einwohner überhaupt Zeit für sich selbst.

Immerhin 50 Familien leben vom Fischfang. Die Umweltauflagen sind streng, daher sieht man in Ponza Porto auch keine mächtigen Trawler, sondern zahlreiche traditionelle kleine Fischkutter. Im Frühsommer ziehen Schwärme von Schwert- und Thunfischen durch. Zwei Kühlwägen mit Schwertfischen verlassen täglich den Hafen Richtung Mailand und Rom.
 
Vespa-Reise Ponza
Vespa-Reise Ponza
 

Obwohl das Geld von Rom und Neapel gleich nebenan ist, haben die Ponzesi das Schicksal des ächzenden Capri (das ja gar nicht einmal so schlecht ist) bislang vermieden. Die schmalen Gassen und zum Teil beschwerlichen Aufstiege im pastellfarbenen Ponza Porto verströmen einen Hauch von pittoresker Bescheidenheit, bis hin zur Bedürfnislosigkeit.

Tagesausflügler gibt es nicht, außerdem ist der Verkehr für Touristenautos drastisch eingeschränkt. Das Weichbild der befahrbaren Wege (die zentrale Nord-Süd-Verbindung ist gerade einmal zwölf Kilometer lang) wird geprägt von Rollern, dreirädigen Apes und Minitransportern in allen Verwitterungszuständen, von sorgfältig poliert bis leukoplastgepflegt.

Vespa-Reise Ponza
Vespa-Reise Ponza
 

Wie schafft man das, quasi nur einen Steinwurf von der Amalfiküste oder vom Golf von Neapel entfernt? Einer der Gründe mag sicher sein, dass Ponza und Ventotene über zwei Jahrhunderte hindurch vor allem als Verbannungsort für politisch unliebsame Personen bekannt waren. Auch Benito Mussolini saß 1943 nach Ende seiner Karriere hier ein. Das berüchtigte Gefängnis (in Form eines Amphitheaters, heute ein Ausflugsziel) auf Santo Stefano wurde 1965 aufgelassen, und erst ab Mitte der 1960er-Jahre entwickelte sich der Fremdenverkehr mit freiwilligen Gästen.

Zum Beispiel im Oktober ist hier überhaupt nichts mondän, nachdem die Megajachten der High Society und der Andrang auf der Flanierstraße Corso Pisacane wieder weg sind. Es wirkt auch nichts heruntergekommen – sondern eher so, als ob nie viel dagewesen wäre. Die Ponzesen bestellen ihre karge, steile und zumeist terrassierte Krume mit kleindimensionierten und robusten Ackergeräten. Kaum eine der Gaststätten und Unterkünfte bewirtschaftet eine eigene Homepage; nur wenige der Einheimischen sprechen englisch.

Vespa-Reise Ponza
Vespa-Reise Ponza
 

„Malerische Bescheidenheit“ ist es aber auch nicht. Weil es gibt ja alles, was man braucht. Man spürt lediglich keinen Hang zur Großmannssucht: An der Promenade des kleinen Hafenstrands vor dem engen Ortstunnel gibt’s Friseur, Wurstgeschäft, Putzerei und Hausratsgeschäft, das liebevolle Arrangement ist schon fast verdächtig „retro“.

Die Partyszene findet eine einzige Diskothek vor. Und auch wenn die Pontinischen Inseln noch immer als „Geheimtipp“ gelten, sind sie klarerweise längst keiner mehr. Außerhalb der Hochsaison ist das Publikum eine bunte Mischung aus Naturliebhabern, Tauchern, versprengten Grünwählern und internationalem Bildungsbürgertum. So schnell wird sich das auch nicht ändern, so hofft man.

Vespa-Reise Ponza
Vespa-Reise Ponza
 
Vespa-Reise Ponza
Vespa-Reise Ponza
 

triptipp braun

ANREISE & ALLGEMEINES
Zur Gruppe der Pontinischen Inseln gehören Ponza, Palmarola, Gavi, Zannone, Santo Stefano und Ventotene (Gefängnisinsel bis 1965, Verbannungsort für politische Gegner). Die beeindruckende, vulkanisch entstandene Landschaft  ist von karger Vegetation und schroffen Felsformationen geprägt. Bewohnt sind lediglich Ponza (zirka sieben Quadratkilometer, 3300 Einwohner) und das noch wesentlich kleinere Ventotene. Als touristisches Reiseziel ist Ponza in den Sommermonaten vor allem bei Besuchern aus Rom und Neapel beliebt.
Bester Festlandshafen für die Überfahrt nach Ponza ist Formia. Per Eisenbahn kommt man sowohl von Rom als auch Neapel nach Formia, die Fahrtzeit beträgt (je nach Zug) zirka eine knappe Stunde bis höchstens eineinhalb Stunden. Die Fährverbindungen zu den Pontinischen Inseln werden von LazioMar durchgeführt. Hier sind die aktuellen Fahrpläne (außerdem gibt es eine App für die gängigen Handy-Betriebssysteme): www.laziomar.it
Nach Rom oder Neapel findet man in „normalen“ Saisonen zahlreiche Flugverbindungen. Rom: www.eurowings.com; www.vueling.com/de; www.wizzair.com; www.laudamotion.com Neapel: www.aua.com; www.easyjet.com

PONZA & MOTORROLLER
Unsere himmelblaue Miet-Vespa hatten wir vom Noleggio Auto e Ciclomotri di Agostino Pilato, wo verschiedene Rollermodelle, Quads oder robuste Klassik-Cabrios (Citroën Méhari) zur Verfügung stehen. Via Dante Alighieri, 04027 Ponza; Tel.: 0039/339/216 58 84 oder 0039/0771/802 65.

Ponza Noleggio Pilato
Ponza Porto, Noleggio Pilato
Ponza Turistcasa Maurizio Musella
Ponza Turistcasa, Familie Maurizio Musella
 

GUT WOHNEN & GUT SCHLAFEN

Die wunderbare Bed & Breakfast Villa il Gabbiano liegt ruhig und idyllisch mit traumhaftem Blick auf die Insel Palmarola zirka eine Viertelstunde vom Hafen entfernt, sie ist auch per öffentlichem Autobus oder Funktaxi (Kosten zirka 15 Euro pro Fahrt, Tel.: 0039/0771/196 01 11) gut erreichbar. Die Zimmer sind makellos gepflegt; Gastgeberin Signora Maria Lina bäckt fast täglich traditionelle Mehlspeisen für das feine Frühstücksbuffet. Die Preise fürs Doppelzimmer betragen (je nach Saison) ab 70 Euro pro Nacht, Tel.: 0039/0771/809 886; www.ilgabbianoponza.it
Il Gabbiano sowie andere individuelle Villen oder Zimmer können (ab drei Tagen Aufenthalt) über die Agentur Immobiliare Turistcasa im Hafen Ponza reserviert werden. Tel.: 0039/0771/809 886; www.turistcasa.it

Ponza Villa il Gabbiano
Villa il Gabbiano
Ponza Villa il Gabbiano
Villa il Gabbiano
 

GUT ESSEN & GUT TRINKEN
Nach dem Fremdenverkehr ist die Fischerei der zweitwichtigste Wirtschaftszweig auf Ponza, und daher sind vor allem Liebhaber von Meeresfrüchten vom kulinarischen Angebot begeistert. Auch in den einfachsten Gaststätten wird mit überschaubaren Zutaten auf hohem Niveau gekocht. Einige erprobte „motomobil“-Empfehlungen: Das Rifugio dei Naviganti an der Einfahrtsstraße zum Hafen wirkt wie ein unscheinbarer Kiosk, aber man speist direkt am Meeresrauschen, und weil die Betreiberfamilie auch einen Fischkutter bewirtschaftet, ist Koch Giovanno Plarachutta sozusagen „direkt an der Quelle“ – nicht nur jegliches Fischtatar ist äußerst empfehlenswert; Via Dante Alighieri 8, Tel.: 0039/0771/809 832.
Nicht nur wegen der prominenten Lage ist das Ristorante Pizzeria Il Timone immer bestens besucht – sowohl über die erstklassigen Pizzen über die Teigwarengerichte bis zu Muscheln, Kalmare und Oktopoden wird man zu plausiblen Preisen hervorragend bewirtet; Via Dante Alighieri 107, Tel.: 0039/0771/802 87.
Das Acqua Pazza an einem schönen Platz an der Hafenpromenade ist durch einen Michelinstern ausgezeichnet, dementsprechend sind die Menüs mit Preisen ab 70 Euro keineswegs überbezahlt. Piazza Carlo Pisacane 10, Tel.: 039/0771/806 43; www.acquapazza.com
Für genussvolle Einkäufe von regionalem Mirto (Myrtenlikör), Finocchietto (Wildfenchellikör), Limoncello oder schmackhaftem Biancolella (diese Weißweinrebe wächst – außer hier – vor allem auf Ischia und in Kalabrien) sucht man am besten die Enoteca Mattana am Hafenkai auf, Via Banchina di Fazio, Tel.: 0039/0348/058 00 63..

Il Rifugio Dei Naviganti
Il Rifugio dei Naviganti
Il Timone, Ponza
Ristorante Il Timone
 

AUSFLÜGE & ATTRAKTIONEN
Ponza sowie die nahe gelegenen Inseln Palmarola und Zannone sind Paradiese für seefeste Kapitäne, für Wanderer und Taucher. Beste Anlaufstelle für geführte Bootsausflüge ist die ponzesische Bootskooperative Barcaioli Ponzesi: In den Sommermonaten gibt es täglich mehrere Abfahrtszeiten der angebotenen Rundfahrten; www.barcaioliponza.it
Gute Wandervorschläge für Ponza und die umliegenden, kaum oder gar nicht bewohnten Inseln gibt es auf www.ponzaviaggi.it/de! In der Bucht von Frontone kann man ein pittoreskes ethnographisches Museum mit zahlreichen historischen Ausstellungsstücken aus der lokalen Fischerei und Landwirtschaft besuchen; www.assocalafrontone.it

INFOS, WWW & LITERATUR
Die Italienische Zentrale für Tourismus ENIT ist mit Informationen zu Region, Anreise und Übernachtungsmöglichkeiten gerne hilfreich: Mariahilfer Straße 1b, 1060 Wien (derzeit ist der Kundenkontakt noch eingeschränkt, aber es gibt die Download-Möglichkeit von Broschüren), Tel.: 01/505 16 39; www.enit.at; www.italia.it
Sehr gute Informationen über Ponza in deutscher Sprache (mit zahlreichen weiterführenden Links und Mailadressen) findet man auf der touristischen Webseite www.ponzaviaggi.it/de
Im deutschen Sprachraum gelten die Pontinischen Inseln nach wie vor als „exotisch“ beziehungsweise als „Geheimtipp“ – und so existieren bis jetzt keine speziellen Reiseführer. Nützliche Hinweise auf immerhin acht Seiten findet man aber in „Latium“ von Florian Fritz aus dem Michael Müller Verlag (der für erstklassige Recherche renommiert ist). 372 Seiten, ISBN 978-3-95654-344-9, um 18,90 Euro; www.michael-mueller-verlag.de
Falls man italienischkundig ist, sollte man sich an einem der Hafenkioske die Broschüre „Itinerari a Piedi“ besorgen: Für fünf Spaziergänge gibt es Wissenswertes zu Landschaft und historischen Gebäuden.
 
Mirto Limoncello Ponza
Mirto, Limoncello
Itinerari a piedi Ponza, Latium Michael Mueller Verlag
Latium, Michael Müller Verlag, Itinerari a Piedi Ponza
 


.


FINDE ICH GUT
Facebook! Mister-Wong! Twitter! Del.icio.us! StumbleUpon! Netscape! Google! Furl! Yahoo! Diigo! Technorati! Smarking! Netvouz! MySpace! Live! Joomla Free PHP