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ROLLER-TEST

VESPA GTS 300 HPE – ERSTER FAHRBERICHT


Text: Peter Schönlaub
Fotos: Rudy Carezzevoli (10), Piaggio (2)
 

ITALIENISCH FÜR FORTSCHRITTLICHE

Die Zeit bleibt selbst für den zeitlosesten aller Roller nicht stehen – und so beschert ihm das Jahr 2019 mehr Leistung, flottere Linien, weniger Abgase und ein TFT-Display für Supertechies


Vespa GTS 300 Test
 


Die große Vespa – von den Italienern respektvoll Vespone genannt – ist längst ein Kultmodell. Da fällt es schwer, am Podest zu rütteln. Mitbewerber beißen sich die Zähne aus, aber auch für Piaggio selbst erweist es sich als nicht unproblematisch, die GTS zu erneuern. Zu viel steht am Spiel (siehe Vespa-Verkaufsentwicklung weiter unten) – da bleibt eigentlich nur der evolutionäre Weg mit feinen Adaptionen und zärtlichen Retuschen.

So lässt es sich verstehen, dass ein ungeschultes Auge wenig Unterschiede zwischen dem 2018er-Modell (das auf dem letzten größeren Modellupdate im Jahr 2014 basiert) und der neuen Version ausmachen wird. Eingefleischte Vespisti hingegen werden sie sofort identifizieren. Da wäre zunächst die neue „Krawatte“ (früher: „Kaskade“) an der Front, die mit ihren drei Schlitzen an 946, Sprint, Primavera oder Elettrica erinnert. Damit einher geht eine etwas schlankere Gestaltung des Beinschilds mit einer neuen Lichtkante; auch das Designelement am vorderen Kotflügel wirkt ein wenig dynamischer.

Über einen moderneren Touch verfügen die nun durchgehend mit LED-Technologie arbeitenden Lichtquellen, allen voran der Scheinwerfer, der einen hübschen Chromring verpasst bekam.  Viele neue Abdeckungen, eine griffgünstiger platzierte Soziusreling und minimal neu geformte Sättel sind ebenfalls part of the game. Dass auch die Farbpalette neu sortiert und die Bezugsstoffe der Sättel zum Teil erneuert wurden, zählt zur üblichen Rochade im Zug eines Modell-Updates.

Vespa GTS 300 2019
Kleine, jedoch für den Kenner merkliche Stilretuschen
Vespa GTS 300
Vertraute Vespa-Optik, aber neue Schalteranordnung
 

Während all die genannten Design-Retuschen auch für die GTS 125 gelten, wird der Motor nur bei der 300 revidiert. Hier wollten die Italiener proaktiv auf die kommende Euro-5-Norm eingehen und die Erfüllung der strengeren Limits vorwegnehmen.

Dies gelingt freilich nur mit ziemlich umfangreichen Eingriffen: Zylinderkopf, Kolben, Einspritzung samt Motorsteuerung und Ansaugsystem wurden völlig neu gestaltet. Die Variomatik werkt nun mit stärkerem Riemen und wurde auch in Sachen Reibung, Vibrationen und Geräusch optimiert. Unterm Strich soll der Antrieb nun geringere Lärm- und Abgasemissionen verbreiten, kleinere Verbrauchswerte ausweisen, aber dennoch stärker geworden sein. Ein Plus von 1,9 kW (2,6) PS hebt die Spitzenleistung auf 17,5 kW (23,8) PS, das Drehmoment steigt gar um 18 Prozent auf 26 Newtonmeter. Damit ist die GTS 300 mit neuem Zusatz hpe (für „High Performance Engine“) die stärkste Serien-Vespa aller Zeiten.

Beim Fahren machen sich die Meriten des 2019er-Motors ansatzlos bemerkbar, jedoch ohne Berge zu versetzen. Der 300er kann nun einfach alles eine Spur besser, gefällt mit angenehm direkten Ansprechverhalten und einer linearen Leistungsentfaltung, die über den ganzen Bereich etwas mehr Druck besitzt. Auch der Sprint aus dem Stand (seit jeher eine Stärke der 300er-Vespa) geschieht nun noch druckvoller, sodass man bei nicht ganz gripstarkem Untergrund aufpassen muss, die Performance nicht durch die einsetzende Traktionskontrolle ASR abzustechen. Die Höchstgeschwindigkeit profitiert von alldem übrigens nur in bescheidenem Ausmaß: Sie steigt auf 120 Stundenkilometer.

Vespa GTS 300
Ein nicht allzu großer Jethelm passt hinein
Vespa GTS 300
Moderne Elektronik macht sich im Handschuhfach breit
 

Gleichzeitig wirkt der neue GTS-Motor auch sehr geschmeidig, laufruhig, leise. Und fast völlig frei von Vibrationen, quer über den gesamten Drehzahlbereich, sodass man auch hier von sinnvollen und geglückten Fortschritten sprechen muss. Man ist eleganter und flotter unterwegs, quirlig sowieso, denn dafür sorgen ja weiterhin die 12-Zoll-Räder.

Auch die neue GTS 300 wird breit aufgefächert, wobei die bisherigen Varianten erhalten bleiben: Basismodell, Touring, Super, Super Sport und die beiden Sondermodelle Yacht Club und Supernotte. Auch die GTV 300 Sei Giorni bleibt im Programm – wobei sie den neuen Motor, aber klarerweise nicht die Design-Upgrades erhält.

Ergänzend dazu folgt im Mai noch eine weitere Version: die SuperTech, die als einzige GTS das neue 4,3-Zoll-TFT-Display erhält. Dieses Cockpit ist bereits von Primavera S, Sprint S und Elettrica bekannt, verfügt aber für den Einsatz in der Vespone über eine zusätzliche Funktionalität: ein Navigationssystem, das man über das Smartphone steuert, die Richtungsanzeigen werden als Piktogramme am TFT-Display angezeigt. Für unsereinen vielleicht der Weg in die Arbeit, für Vespa der Weg in die Zukunft.

Vespa GTS 300 Super
Vespa GTS 300 Super
Vespa GTS 300 Touring
Vespa GTS 300 Touring
 
Vespa GTS 300 Super Sport
Vespa GTS 300 Super Sport
Vespa GTS 300 2019
Bunter Ausschnitt des aktuellen Farbprogramms
 


DIE VESPA-VERKAUFSENTWICKLUNG: GTS 300 ALS MEGASELLER

WO DIE LIEBE HINFÄLLT

Die Bedeutung der großen Vespa für den Mutterkonzern Piaggio ist erheblich: Seit dem Start der aktuellen Automatik-Generation im Jahr 2003 (damals noch als GT) wurden über 430.000 Large-Frame-Modelle abgesetzt. Und der Zuspruch ist ungebrochen, auch wenn Vespa weltweit gesehen aktuell etwas mehr Small-Frame-Varianten baut und verkauft. Die Gesamt-Jahresproduktion von Vespa beträgt übrigens rund 180.000 Stück. In Europa liegt jedoch die GTS in der Gunst der Käufer voran, erst recht in Österreich: Im vergangenen Jahr wurden in Österreich 2232 Stück der GTS/GTV 300 und 1344 Stück der GTS 125 neu zugelassen – Platz eins und zwei in der Rollerhitparade. Damit wird von der Large-Frame-Vespas mehr verkauft als von den restlichen Scootern in den Top Ten zusammen!


Vespa GTS 300 hpe
Umfassende Erneuerung bis hin zur Variomatik
Vespa GTS 300 hpe
Reibungsarme Rollen-Kipphebel im Ventiltrieb
 



TECHNISCHE DATEN: VESPA GTS 300 hpe
MOTOR 1-Zyl.-4-Takt, flüssig gekühlt, SOHC, 4 Ventile, EFI 
HUBRAUM 278 ccm 
LEISTUNG 17,5 kW (23,8 PS) bei 8250/min 
DREHMOMENT 26 Nm bei 5250/min 
GETRIEBE autom. Kupplung, stufenlose Variomatik 
FAHRWERK selbsttragende Stahlblechkarosserie 
AUFHÄNGUNG vo/hi Einarmschwinge/Stereofederbeine 
RADSTAND 1375 mm 
FEDERWEG vo/hi n. a.
BEREIFUNG vo/hi 120/70-12, 130/70-12 
BREMSEN vo/hi Scheibe 220 mm/Scheibe 220 mm, ABS
SITZHÖHE 790 mm 
TANKINHALT 8,5 l 
GEWICHT (fahrfertig)
ab 158 kg 
SPITZE 120 km/h 
VERBRAUCH (WMTC) 3,2 l/100 km 
PREIS (2019) ab € 6299,–
VERTRIEB/INFO www.piaggio.com, www.vespa.at  

        


































Vespa GTS 300 2019 Test




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