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ROLLER-TEST

PIAGGIO BEVERLY 300 HPE & PIAGGIO BEVERLY 400 HPE


Text: Leonardo Lucarelli
Fotos: Alberto Cervetti, Milagro, Lucarelli
 

CHARMANT ELEGANT

Was von Piaggio ein bisschen abstrakt als „Urban Crossover“ bezeichnet wird, ist tatsächlich eine leistungsfähige Kombination aus Cityflitzer und Gran-Turismo-Maxiroller


Piaggio Beverly 400
 


Vor zwanzig Jahren erschien der erste Piaggio-Beverly-Großradroller, damals mit 125 und 200 Kubik Hubraum. Mit Einführung der aktuellen Euro-5-Abgasnorm geht der fast schon ewige Wettbewerb mit der Honda-SH-Serie in die nächste Runde.

Die neuen 300er- und 400er-Versionen des Beverly teilen sich das gleiche Fahrwerk. Man verspürt sehr rasch viel Liebe zum Detail und „italienischen Stil“. Doch sie haben erkennbare Unterschiede bei den Motoren, den Fahrleistungen – und somit im Charakter.

Piaggio Beverly 400
Piaggio Beverly 300
 

Das hpe in den neuen Modellbezeichnungen steht für „high performance engine“. Beide Motoren sind flüssig gekühlte Vierventiler mit einzelner obenliegender Nockenwelle. Das bisherige 350-Kubik-Triebwerk wird in Rente geschickt. Beim neuen 300er (den man bereits aus den frischen Vespa-GTS- und Piaggio-MP3-Modellen kennt) ist die Leistung um 23 Prozent und das Drehmoment um 17 Prozent gesteigert: Das ergibt 19 kW (25,8 PS) bei 8000 Umdrehungen und ein Drehmoment von 26 Newtonmetern. Der 400er ist um 17 Prozent stärker als der Vorgänger: Er leistet 26 kW (35,4 PS) bei 7000 und bauchige 37,7 Newtonmeter bei schon 5500 Touren.

Bei der 400er-Version bleibt das Motorgewicht so wie beim bisherigen 350er, dabei konnten die Piaggio-Techniker die mechanischen und thermodynamischen Eigenschaften verbessern: Bei reduzierten Vibrationen wurde eine neue Kurbelgehäuse-Entlüftung installiert, die die Panschverluste verringert und dadurch (bei geringerem Verbrauch) die Leistung steigert. Der 400er besitzt eine Auspuffanlage mit Doppelendtopf, während man den Beverly 300 am Single-Schalldämpfer erkennt.

Piaggio Beverly 400
Piaggio Beverly 300
 

Das neue Beverly-Fahrwerk kombiniert den bekannten verwindungssteifen Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen und gepresste Stahlteile mit einer brandneuen Showa-Vorderradgabel mit 35 Millimetern Standrohrdurchmesser. Hinten arbeiten Stereo-Stoßdämpfer (jetzt ebenfalls von Showa), deren Federvorspannung fünffach verstellbar ist. Die leichten Alufelgen (Durchmesser16 Zoll vorne und 14 Zoll hinten) wurden überarbeitet, wobei der Beverly 300 hpe auf den Reifendimensionen 110/70 sowie 140/70 fährt, während der Beverly 400 hpe mit 120/70 und 150/70 etwas breiter bereift ist.

Die Bremsanlage ist mit 300 Millimeter Scheibendurchmesser vorne und 240 Millimeter hinten an beiden Modellen identisch; vorne und hinten verzögern schwimmend gelagerte Doppelkolbenzangen. Das Zweikanal-ABS kommt von Bosch, auch Traktionskontrolle gehört zur Ausstattung.
 
Piaggio Beverly 400
Piaggio Beverly 300
 

Besonders bei der Bordkommunikation unterscheidet sich der 2021er Beverly deutlich vom Vormodell: Das neue LCD-Cockpit-Display hat 5,5 Zoll Diagonale, und die Lenkerarmaturen wurden in Ergonomie und Design völlig überarbeitet – sie sehen elegant aus und sind auch leicht bedienbar. Gleichzeitig wird in den Beverlys ein Keyless System serienmäßig eingeführt: Sowohl Motorstart, Sitzbankentriegelung, Tankdeckelsperre als auch Lenkerverriegelung können bequem betätigt werden, während der Schlüssel in der Jacken- oder Hosentasche bleibt.

Zusätzlich gibt es das Connectivity System „Piaggio MIA“ (als Standard beim 400er, als kostenpflichtige Option beim 300er): Über Bluetooth wird das Smartphone mit der On-board-Elektronik verbunden, dann sieht man (neben weiteren Features) zum Beispiel Textnachrichten, verpasste Anrufe oder Musik-Playlisten am Display.
 
Piaggio Beverly 400
Piaggio Beverly 300
 

Das Piaggio Design Center rund um Chefstylist Marco Lambri entschied sich dafür, die unverkennbare Linie des Roller-Bestsellers zu erhalten, aber die Details gründlich zu modernisieren. Die Piaggio-typische „Krawatte“ an der Vorderschürze macht mit ihren wabenförmigen Durchlässen nun einen luftigeren Eindruck, und an der schwebenden Nummerntafelhalterung erkennt man die Orientierung an aktuellen Motorrädern. Mit beiden Hubräumen sind zwei Versionen erhältlich: Beverly und Beverly S. Die erste widmet sich dem eleganten Auftritt, während die zweite (unter anderem mit roten Sitzbanknähten) etwas sportlicher wirken soll – bei beiden ist eine hohe Zuwendung zu Details und schönen Oberflächen ersichtlich.

Schon die erste Sitzprobe zeigt, dass das ergonomische Layout etwas verändert wurde. Sowohl beim Sattel, beim Lenker, als auch beim Trittbrett: Die Sitzbank wirkt nun ein bisschen höher und ist besonders im Mittelteil äußerst geräumig; die Lenkerenden sind etwas tiefer als zuvor; und sowohl der Platz für die Knie als auch für die Beine scheint gewachsen zu sein. Nicht nur, wenn man bis zur Lendenstütze nach hinten rückt, ist das Komfortangebot auch für große Fahrer enorm. Am ebenfalls sehr reichlich bemessenen Sozius sind die beiden Haltegriffe bestens erreichbar.
 
Piaggio Beverly 400
Piaggio Beverly 300
 

Die Sitzhöhe ist beim 400er mit 821 Millimeter um neun Millimeter höher als beim 300er, sonst ist die Ergonomie bei den verschiedenen Varianten identisch. Die 400er-Modelle kommen mit serienmäßigem Windschild, das besonders bei Überlandfahrten für Entspannung sorgt. Start mit dem „kleinen“ Beverly 300: Schon bei niedersten Drehzahlen läuft der Motor weich und rund – aber offener Gasgriff und Hochdrehen zahlen sich aus, hier wird er dann richtig lebhaft. Die Sitzposition passt auf Anhieb: Bei den Lenkerarmaturen, beim Cockpit, den Rückspiegeln, dem Blick auf die Straße – sowohl Übersichtlichkeit als auch Komfort sind erstklassig.

Ebenso die Wirkung und Dosierbarkeit der Bremsanlage in allen Geschwindigkeitsbereichen (obwohl der „motomobil“-Test-Beverly erst ganz wenige Kilometer am Tacho hatte). Bei der Wirkungsweise der Schlupfregelung fällt auf, dass bei geöffnetem Gas über holprige Straßenstellen der Antrieb für Sekundenbruchteile zurückgenommen wird. Das muss man hinnehmen, oder das ASR deaktivieren.
 
Piaggio Beverly 400
Piaggio Beverly 300
 

Der Beverly 400 hpe wirkt vorerst nicht ganz so spontan wie der 300er. Das mag sowohl an den etwas höheren mechanischen Geräuschen bei niederen Drehzahlen liegen, als auch am generell geringeren Drehzahlniveau. Insgesamt ist er aber deutlich stärker – vor allem, wenn man ständig in Geschwindigkeitsbereichen über 100 Stundenkilometer verbleiben will. Damit empfiehlt er sich eindeutig für die Autobahn oder für Fahrten zu zweit – oder auch, wenn man den Wettstreit um den „stärksten Großradroller“ aufnehmen möchte. In der City hingegen gibt es an der Agilität der 300er-Version nichts auszusetzen.

Auch fühlt man sich am 400er ein bisschen mehr in der Motorradwelt. Die Vorteile der neuen Showa-Aufhängung gelten jedoch für beide Modelle, und in allen erreichbaren Schräglagen gibt’s beeindruckende Kurvenstabilität. Auf dem Papier erscheinen sowohl die 185 Kilo fahrfertig für den 300er als auch die 195 Kilo für den 400er etwas gewichtig – aber der Roller ist sehr gut ausbalanciert, die Gewichtsverteilung passt, und damit ist das Fahrvergnügen auch auf kurvenreichen Straßen leichtfüßig und unkompliziert.
 
Piaggio Beverly 400
Piaggio Beverly 400
 

Das Fazit nach dem ersten Test? Durch seine Handlichkeit, den Sitzkomfort und die Möglichkeit, unter der Sitzbank und im vorderen Staufach riesige Gepäckmengen zu transportieren, erweist sich der neue Beverly mehr denn je als exzellenter Partner im Stadtbereich, für Büro- und Pendlerfahrten. Genau diese Vorzüge machen ihn ebenso zum perfekten Roller für kurze und lange Ausflüge. Das ausgewogene Fahrwerk und die neuen hpe-Motoren ermöglichen Fahrleistungen, mit denen man sich auf Bike-Strecken sehen lassen kann.

Dass sich Piaggio vom Update so einiges erwartet, lässt sich an der umfangreichen Zubehörliste erkennen (obwohl bereits die Serienausstattung – speziell in der 400-Kubik-Variante – sehr ordentlich ist): Zusätzliche Musik kommt auf Wunsch von Sport-Auspuffanlagen in Edelstahl und Karbon, die von der Spezialfirma Akrapovič extra für den Beverly angefertigt werden. Alarmanlage und Windschilde in diversen Größen verstehen sich sowieso.

Unter anderem gibt es außerdem Topboxen mit 36 und 52 Liter Volumen, die in den verschiedenen Karosseriefarben erhältlich sind; die 52-Liter-Version bekommt man auf Wunsch auch in einer smarten Variante, deren Schloss ins Keyless System des Beverly integriert werden kann. Oder für den Winterbetrieb Handschutz sowie beheizbare Beindecke, Heizgriffe und -sattel, wobei sich die Komponenten über ein gemeinsames Steuermodul und die App einzeln regulieren lassen. Die neuen Beverly-Modelle sind kleidsam, und sie sind wirksam.
 
Piaggio Beverly 400
Piaggio Beverly 400
 

DIE TESTAUSRÜSTUNG
Helm: Nolan N100-5 Plus Distinctive N-Com
Jacke: Spidi Flash Net Evo WindOut
Jeans: Spidi J-Tracker (Cordura/Baumwolle)
Handschuhe: Spidi TXR (Textil perforiert/Stretch-Textil)
Schuhe: TCX Mood GTX (Leder/Gore-Tex)


TECHNISCHE DATEN:
PIAGGIO BEVERLY 300 HPE (BEVERLY 400 HPE)
MOTOR 1-Zyl.-4-Takt, flüssig gekühlt, SOHC, 4 Ventile, EFI
HUBRAUM 278 ccm (399 ccm)
LEISTUNG 19 kW/25,8 PS bei 8000/min (26 kW/35,4 PS bei 7500/min)
DREHMOMENT 26 Nm bei 6250/min (37,7 Nm bei 5500/min)
GETRIEBE autom. Kupplung, stufenlose Variomatik
FAHRWERK Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, Triebsatzschwinge
AUFHÄNGUNG  vo/hi Telegabel 35 mm/Stereofederbeine
RADSTAND 1540 mm (1550 mm)
FEDERWEG vo/hi 100/96,5 mm
BEREIFUNG vo/hi 110/70-16, 140/70-14 (120/70-16, 150/70-14)
BREMSEN vo/hi Scheibe 300 mm/Scheibe 240 mm, ABS Bosch 10.0
SITZHÖHE 812 mm (821 mm)
TANKINHALT 12 l
GEWICHT (fahrfertig) 185 kg (195 kg)
HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT ca. 130 km/h (ca. 142 km/h)
VERBRAUCH (lt. WMTC) 3,3 l/100 km (3,7 l/100 km)
EXTRAS Topcase 36 l u. 52 l, versch. Windschild, div. Heiz-Accessoires, Plane, Diebstahlschutz
PREIS (2021) € 5899,– (€ 6899,–)
VERTRIEB/INFO www.faber.at, www.piaggio.at


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