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NEUE KONZEPTE

PIAGGIO MP3 300 HPE & MP3 300 HPE SPORT


Text: Redaktion
Fotos: Alexandre Krassovsky, David Pell
 

NIMMS LEICHT

Piaggio hat den berühmten MP3 geschrumpft! Aber keine Angst – es ist noch mehr als genug davon übrig geblieben


Piaggio MP3 300 hpe
 


Fahren wir nicht lang um die Brenn herum: Mit 225 Kilo fahrfertig ist der neue 300er-MP3 gleich um fast 50 Kilo leichter als die aktuellen 500-Kubik-Versionen. Und mit 19,3 kW (26,2 PS) Spitzenleistung ist der im Vergleich zum Vorgänger sparsamere und Euro-5-taugliche Vierventilmotor noch kräftiger als die bereits spürbar erstarkte brandneue Vespa GTS 300 hpe mit ihren 17,5 kW (23,8) PS.

Mit Preisen ab 6.990 Euro (lieferbar noch im Juni 2019) bleiben um drei Tausender mehr im Börsel als beim Kauf eines Halbliter-MP3. Der Verkaufserfolg wird es zeigen: Vieles spricht dafür, dass der Piaggio MP3 300 hpe das bislang rundum gelungenste Gesamtpaket des seit 2006 erfolgreichen italienischen Dreiradschwenkers ist (bis jetzt 180.000 gebaute Exemplare sind nicht gerade eine Kleinigkeit). Will man sich gegen spielerischeres Handling bei nahezu gleicher Performance, gegen gleiche Sicherheitsvorteile bei geringerem Preis zur Wehr setzen?

Die optische Inszenierung des Neuen bleibt unverkennbar MP3, nur eben ein bisschen filigraner. Dass er zierlicher ist, merkt man natürlich vor allem, wenn er direkt neben dem 500er steht: Vom Fußraum weg bis zum Stereo-Hecklicht entspricht er in der Größe ganz einem handelsüblichen GT-Roller der beliebten und universellen 300er-Klasse. Beim Heck fallen auch einige Ähnlichkeiten zum (hinten noch schlankeren) Beverly Sport Touring auf.
 
Piaggio MP3 300 hpe
Im Vergleich zum 500er ist der 300 hpe zierlicher,
mit kürzerem Radstand, und deutlich leichter
Piaggio MP3 300 hpe
Zeitgemäß: In der vertrauten Front
gibt es modernes LED-Tagfahrlicht
 

Die Karosserie des Vorbaus ist vor allem deswegen kleiner, weil der Kühlradiator des 278-Kubik-Motors platzsparend direkt vor dem Zylinderkopf sitzt und nicht ganz vorne hinter dem Wabengrill der Verkleidung, so wie beim 500er. Das Design ist typisch MP3-knubbelig, aber luftiger, und weil er mehr Blick auf die Vorderrad-Kinematik zulässt, wirkt der 300er technoider. Der Vorbau bleibt aber breit genug, um den Beinen sehr guten Wind- und Wetterschutz zu bieten. Nach vorn und nach hinten hat das Trittbrett nicht ganz so viel Platz wie beim großen Modell. Die Fußrasten für den Sozius sind stabil und leicht ausklappbar, in eingeklapptem Zustand sind sie mit der Karosserie flächig und elegant versenkt.

Die Felgendimensionen sind mit vorn 13 Zoll Radgröße und hinten 14 Zoll so wie beim Halbliter-MP3, lediglich der Hinterreifen ist um einen Tick schmäler. Das abgespeckte Gewicht fällt ab dem ersten gefahrenen Meter angenehm auf. Außerdem ist der Radstand des 300ers um fast zehn Zentimeter kürzer. Das erlaubt enorm präzise Fahrmanöver, das Abwinkeln in Schräglage passiert vollkommen mühelos und ohne Widerstand. Vor- oder Zurückrangieren ist unproblematisch, egal ob man den Roll-Lock-Mechanismus aktiviert oder nicht. Der MP3 300 hat vorne und hinten gute zehn Prozent längeren Federweg als das größere Modell, und außerdem die wesentlich leichtere Triebsatzschwinge – damit hat er auch einen Komfortvorteil.
 
Piaggio MP3 300 hpe
Auch die schlanke Heckpartie mit dezenten
Lichtern wirkt deutlich erleichtert
Piaggio MP3 300 hpe
Über der oberen Kontrollleuchten-Leiste findet man
ein praktisches Handschuhfach mit Klappdeckel
 

Zusammen mit dem gelungenen, sehr kultiviert laufenden neuen Motor ist der 300 hpe der erste MP3, auf den der Begriff „leichtfüßig“ zutrifft. Er ist von der Ampel weg spurtstark, wirkt nicht angestrengt und setzt bis zu einem Tacho-Hunderter jede Gasgriffbewegung in unmittelbare Beschleunigung um. Piaggio gibt die Höchstgeschwindigkeit mit mehr als plausiblen 120 km/h an.

Bei den Leistungsdaten werden wohl viele Besitzer der neuen Vespa GTS hpe ganz lange Ohren bekommen und mit den Fingern auf der Tischplatte trommeln. Tatsächlich ist der Kraftzuwachs erstaunlich und wurde nicht über höhere Drehzahl erreicht, wenn man die Piaggio-Werksdaten herannimmt: Die Nenndrehzahl des MP3-Motors liegt mit 7750 Umdrehungen sogar um 500 Touren niedriger als in der Vespa. Das maximale Drehmoment von 26 Newtonmetern kommt zwar erst um 1250 Umdrehungen später (bei 6500 Touren), der Durchzug wirkt aber schön bauchig.

Über die genauen Details der Leistungssteigerung zur Vespa geben sich die Piaggio-Techniker vorerst bedeckt und verweisen vor allem auf die geänderte Ansaugbox. Mit Sicherheit gibt es daher auch ein neues Mapping der elektronischen Einspritzung, möglicherweise mehr Verdichtung, während Steuerzeiten der Nockenwelle, Ventilhub und Ventilgröße unverändert sind. Die Variomatik arbeitet mit geringeren Verlusten als in den Vorgängermotoren und ist sehr gut abgestimmt.
 
Piaggio MP3 300 hpe
Geräumig unterm Sitz: Zusätzlich zum Integral-
passt noch bequem ein Jethelm hinein
Piaggio MP3 300 hpe
Wieselflink im Stadtverkehr: Der 300 hpe
ist das beweglichste MP3-Modell bis jetzt
 

Je nach persönlichem Geschmack darf die Auslegung der handbetätigten Bremsanlage als zurückhaltend bis knackig bezeichnet werden, bei guter Wirkung und feiner Dosierbarkeit. Das für den Betrieb mit B-Führerschein vorgeschriebene zusätzliche Fußbremspedal wirkt auf Vorderrad und Hinterrad gleichzeitig und kann mit der vehementen Verzögerung des Continental-Dreikanal-ABS als echtes Notbremspedal verwendet werden, die Dosierbarkeit ist allerdings nicht so perfekt.

Von einem Roller in Gran-Turismo-Dimension darf man sich ordentlichen Gepäckraum erwarten. Die Piaggio-Werksangaben üben sich sogar in Understatement, denn sie sprechen von zwei Jethelmen, die unter die Sitzbank passen – tatsächlich bringt man aber einen Jethelm als auch einen ausgewachsenen Integralhelm vom Format eines Arai RX-7V mit seinen Belüftungskanälen und Spoilern problemlos unter. Sehr schön. Die bequem über das Multifunktionsschloss (Zündung; Gepäckraum; Tankklappe; Lenkersperre) entriegelbare Sitzbank wird in geöffnetem Zustand per Federmechanismus hochgehalten.

Über den Cockpit-Instrumenten gibt es ein (unversperrbares) praktisches schmales Handschuhfach mit USB-Outlet, in dem immerhin Mobiltelefon, Rauchwaren, Dokumente und ein paar Lutschtabletten oder Kaugummis Platz finden. Über dem Mitteltunnel im Fußraum findet man noch einen optisch schön versenkten, ausklappbaren Gepäckhaken in stabiler und solider Ausführung. Insgesamt macht das Finish einen hochwertigen und gediegenen Eindruck.
 
Piaggio MP3 300 hpe
Gediegenes Finish, wie man es
von der MP3-Serie gewohnt ist
Piaggio MP3 300 hpe
Roll-Lock: Über den Schiebeschalter
kann die Neigung fixiert werden
 

Womit wir beim allerletzten Feinschliff wären. Die Unterschiede zwischen der „Normalversion“ und dem 400 Euro teureren 300 hpe Sport beziehen sich weniger auf das Fahrerlebnis als auf optische Details: Die (ansonst baugleichen) Stoßdämpferfedern des Sport sind rot lackiert; seine vorderen 258-Millimeter-Bremsscheiben sind im Wave-Design; die Trittbretter haben Aluminium-Einsätze; auch die Nähte der Sitzbank sind in Rot; die etwas größeren vorderen Kotschützer des Sport sind aufwändiger konstruiert und teilweise in Karosseriefarbe lackiert. Der Preisunterschied erscheint ok, denn außerdem hat der Sport das Connectivity-System MIA (früher „Piaggio Multimedia Platform“) serienmäßig, welches das Handy per Bluetooth mit der Bordelektronik verbindet und eine Vielfalt an Infos ermöglicht – von der Routenaufzeichnung über die gefahrene Schräglage bis zu Reifendruck- und Reifenverschleißalarm.

Wird somit der – erst im Jahr 2018 rundum erneuerte – MP3 500 so einfach seines Amtes enthoben? In der City würden wir sagen: eindeutig ja. Aber das ist schließlich nicht die gesamte Zweiradwelt, und Hubraum bleibt außerdem Hubraum: Für zügige längere Autobahnetappen, sehr weite Pendeldistanzen oder für den Urlaub zu zweit bringt sich nach wie vor der halbe Liter in Stellung. Der MP3 300 hpe wird aber den Freundeskreis der MP3-Familie noch deutlich vergrößern können.
 
Piaggio MP3 300 hpe
Der schon in der Vespa GTS erstarkte 2019er-Motor
bekommt hier eine weitere Leistungssteigerung
Piaggio MP3 300 hpe
SOHC und vier Ventile, dazu
reibungsarme Rollen-Kipphebel
 


TECHNISCHE DATEN: PIAGGIO MP3 300 hpe
MOTOR 1-Zyl.-4-Takt, flüssig gekühlt, SOHC, 4 Ventile, EFI
HUBRAUM  278 ccm
LEISTUNG  19,3 kW (26,2 PS) bei 7750/min
DREHMOMENT  26 Nm bei 6500/min
GETRIEBE  automat. Kupplung, stufenlose Variomatik
FAHRWERK  Doppleschleifen-Stahlrohrrahmen
AUFHÄNGUNG vo/hi  Alu-Achsschenkel/Stereofederbeine
RADSTAND  1450 mm
FEDERWEG vo/hi  95 mm/122 mm
BEREIFUNG vo/hi  110/70-13, 140/60-14
BREMSEN vo/hi  2 x Scheibe 258 mm/Scheibe 240 mm
SITZHÖHE  780 mm
TANKINHALT 11 l
GEWICHT (fahrfertig)  225 kg
SPITZE (Werksangabe) 120 km/h
VERBRAUCH (lt. WMTC) 3,2 l/100km
PREIS € 6990,– bzw. € 7390,– (Version Sport)
VERTRIEB/INFO www.faber.at, www.piaggio.at




































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