ROLLER-REISE
KORSIKA PER POWERSCOOTER KORSIKA PER POWERSCOOTERText & Fotos: Michael Bernleitner
BON TEMPS ROULERKorsika ist die Pilgerreise für jeden Zweiradfan. Auch – oder erst recht – mit dem Scooter![]() Der Korse selbst weiß wohl am besten, was gut auf die Insel passt: In den Hauptstädten Bastia und Ajaccio sieht man sofort, dass hier der Yamaha T-Max der mit Abstand beliebteste Großroller ist, vielleicht sogar der meistverkaufte Roller überhaupt. Sichere Überholmanöver, mächtige Bremsen, so gut wie makelloses Fahrwerk, ausreichend Komfort auch auf Schüttelstraßen und dazu noch Stauraum – mit dem T-Max ist man im dichtesten Kurvengewühl des Mittelmeerraums hochfein motorisiert. Und er ist in Calvi (dort wo die Direkt-Charterflüge aus Österreich landen) schnell organisiert: Kostet zum Beispiel bei Loc Motos 380 Euro Mietpreis pro Woche; aber auch 125er- und 250er-Scooter werden hier angeboten. Kühe und ihre Kälber bewachen den Parkplatz an der Bucht von Rondinara, der Ochs hält sich im Hintergrund. Am Wasser ist es idyllisch: So stellt man sich ein pazifisches Atoll vor, das türkisblaue Wasser in der ideal kreisförmigen Lagune hat Anfang Juni schon 26 Grad. Eine Viertelstunde weiter oben im Massif de l’Ospédale braucht man den Pullover. Am schönsten Badetag kann man hier mitten ins Gewitter fahren. Von – oder in – der Badehose in die Bergschuhe, sozusagen. Allein die Wedelstrecke von den Stränden bei Porto-Vecchio hinauf zum Col de Bavella ist eine der Quintessenzen einer Korsika-Reise mit einem Kraftroller wie dem Yamaha T-Max. Auch der Plage de Palombaggia etwas nördlich von der Rondinara wäre natürlich für diese Bergfahrt ein feiner Ausgangspunkt. Er ist nach Meinung vieler Fans der allerschönste Strand auf Korsika – Karibik-Feeling, nur eineinhalb Flugstunden von Österreich entfernt. Spätestens bei den Aiguilles de Bavella, den berühmten sieben zerklüfteten Bergspitzen, kommt dann echtes Luis-Trenker-Feeling auf. Auf den 40 Kilometern bis zum Pass wehen mindestens vier Klima- und vier Vegetationszonen am Rollerfahrer vorbei. Eine knappe Stunde sollte man für den Weg einplanen, denn die Straße ist kurvig, kurvig, kurvig. Das ist das typische an Korsika: Man fährt um ein Eck, und alles schaut ganz anders aus. Und drei Ecken weiter war schon wieder ein anderer Landschaftsmaler – mit anderen Farben – am Werk. Die Vielfalt ist so enorm und immer wieder sogar überwältigend, atemberaubend. Kaum eine Gegend der Welt kann auf knappem Platz so viele Eindrücke anbieten wie Korsika, das gerade einmal 183 Kilometer lang und 83 Kilometer breit ist. Von weißen Sandstränden über Weidegegenden bis zu undurchdringlichem Buschwald, von karstähnlichen Mondlandschaften über dichte Schwarzkieferwälder bis zu alpinen Gebirgsszenerien stellt die Insel einen „Kontinent auf kleinstem Raum“ dar. Und nimmt man’s ganz genau, dann ist die im Norden draufgesetzte Landzunge Cap Corse noch einmal ein eigener Mikrokontinent. Im Forêt de l’Ospedale, der ein Märchenwald aus unzähligen korsischen Schwarzkiefern und Korkeichen ist, wird’s dann ordentlich frisch. Die unbeaufsichtigt herumwandernden Rindviecher stehen bis zu den Knien im Bergsee (der ein Stausee ist), wenn sie sich nicht gerade an Eicheln gütlich tun. Das sehen wir sehr gerne – denn von der gründlich ausgewählten Nahrung kommt der herrliche Geschmack des korsischen Rindersteaks, wie wir beim Abendessen noch merken werden. Wer sich die Zeit nimmt, der unternimmt den halbstündigen Marsch zum Piscia di Gallo, dem „Hahnenpiss“, welcher der beste Wasserfall auf der Insel ist – der gebündelte Strahl trifft 75 Meter genau in die Tiefe. Duch das Bergdorf Zonza fährt früher oder später jeder Korsikareisende. Ganz knapp am Bavella-Pass ist es ein begnadeter Straßenknotenpunkt: Aus jeder der vier Himmelsrichtungen kommend gibt es immer drei Möglichkeiten zur Weiterfahrt – und die Wahl fällt jedesmal verdammt schwer. Eine Möglichkeit ist schöner als die andere. Am besten, man überlegt sich das bei einem Espresso oder einem korsischen Cola. Die Kreuzung ist immer ein netter Treffpunkt für Roller- und Motorradtouristen. Spurwechsel und Farbwechsel gefällig, rote Gebirgsketten und stahlblauer Himmel statt grauem Gestein und Nebelschwaden? Dann kommt die biegungsreiche Überfahrt an die zerklüftete Ostküste. Zum Beispiel zu den legendären roten Zacken der Calanche, die bis jetzt noch in keinem Reisebericht über Korsika gefehlt haben. Doch bis dahin zeigen sich noch etliche der vielen Gesichter Korsikas: Fehlen noch mediterrane Olivenhaine oder Weinberge? Zu finden rund um den Golf von Valinco, unterhalb der Bilderbuchstadt Sartène. Üppige Kastanienwälder, weitere Wasserfälle mit malerischen ausgewaschenen Becken, in denen ein kaltes Bad genommen werden kann? Dann fährt man in die Castagniccia an der Ostküste, ins Restonica-Tal im Herzen Korsikas oder von der Westküste aus in den Forêt d’Aïtone. Durch die berühmte korsische Macchia kommt man sowieso immer wieder: Buschwald, undurchdringliches Gestrüpp von einem bis fünf Metern Höhe. Auch hier haben es Zweiradfahrer viel besser als Touristen im Auto, nämlich wegen des Geruchserlebnisses. Das „undurchdringliche Gestrüpp“ besteht aus Pflanzen, die die Insel im Frühjahr mit ihrem Blütenmeer überziehen und aus wohlriechenden Kräutern: Lavendel, Thymian, Wacholder, Myrte, Lorbeer, Rosmarin oder Salbei vereinigen sich in immer wieder neuen, verfeinerten olfaktorischen Nuancen. In der gesellschaftlichen Vergangenheit der Insel wird die Macchia gerne als fast hundertprozentig sicheres Versteck der Freiheitskämpfer und Banditen mystifiziert. Besonders mit dem (so wie auf Sardinien und Sizilien) jahrhundertelang ausgeübten Volkssport der Vendetta ist die Macchia untrennbar verbunden. In der Macchia findet man sich selber nicht, also kann man auch nicht gefunden werden. Eine Hochburg – und das nicht nur optisch – in den korsischen Mythen ist die Stadt Sartène. Ein Schriftsteller vom französischen Festland hat vor fast 200 Jahren gemeint, dass die Stadt „ganz besonders korsisch“ ist, und seitdem verzichtet kein Reiseführer auf diesen Vermerk. Was stimmt, ist, dass Sartène besonders trutzig erscheint. Korsika war immer das Opfer der Begehrlichkeiten fremder Mächte und Kulturen und litt unter ständiger Fremdherrschaft – die Bevölkerung zog sich ins Landesinnere zurück und verschanzte sich in hohen, bedrohlich wirkenden Häusern. Das prägt das Bild der vielen kleinen Bergdörfer. Ein Spaziergang durch die engen Gassen der Altstadt von Sartène macht das deutlich. Steigt man von Propriano im Golfe de Valinco über kleine Nebenstraßen im Hinterland nach Sartène an, dann steht man plötzlich mitten am Hauptplatz. Der Place de la Libération mit den vielen Cafés strahlt behaglichen Wohnzimmercharakter aus, das Städtchen wirkt hier gleich ganz freundlich. Auch die Leute: Parkt man den Roller falsch, wird man zuerst einmal darauf aufmerksam gemacht und darf das Gefährt für den Rest des Tages auf den Gehsteig schieben, ohne dass gleich der Strafzettel gezückt wird. Immer wieder erleben wir die Korsen als zweiradfreundlich und rücksichtsvoll. Gleich ums Eck wieder Landstriche, die bis jetzt vom Tourismus kaum heimgesucht werden: Der Col de Siu steht den glühend roten Felsen der Calanche, wo auch die Urlauberkameras glühen, kaum nach. Die Fahrt geht durch alpin wirkende grüne Gegenden, vorbei am reizenden Kirchlein von Santa-Maria-Figaniella. In Fozzana darf man sich eine Jause gönnen. Das Dörfchen ist bei der Durchfahrt unscheinbar, hat aber Geschichte: Colomba Bartoli, wohl die schrillste Gestalt in der Geschichte der Vendetta, wiegelte hier über Jahrzehnte (sie starb im Alter von 96) das Dorf und die gesamte Umgebung gegeneinander auf. Legendär, leidenschaftlich und wunderschön sollen ihre Klagegesänge an den Särgen ihrer Söhne gewesen sein. Da ist uns der heute auf Korsika wieder sehr in Mode gekommene, wohltuende polyphone Männergesang schon deutlich lieber. Oder das korsische Weizenbier, das ebenfalls Colomba heißt.
STECKBRIEF & ALLGEMEINES Korsika ist die gebirgigste Insel des Mittelmeeres, eine Gebirgskette mit mehr als 50 Zweitausendern durchzieht die Insel vom Nordwesten bis in den Südosten; höchste Erhebung ist der 2706 Meter hohe Monte Cinto. Die Westküste ist zerklüftet und bietet immer wieder wunderbare, goldfarbene Sandstrände. Die flache Ostküste ist zwischen Bastia und Solenzara wenig ereignisreich, alle anderen Regionen sind enorm vielfältig und abwechslungsreich. KLIMA & BESTE REISEZEIT Die Sommermonate Juli und August (zu dieser Zeit kommt die Hälfte der jährlich zwei Millionen Besucher) sind für einen Rollerurlaub nicht so attraktiv wie Mai, Juni, September oder Oktober: Straßen, Strände und Hotels sind voll, die Temperaturen beträgt bis 35 Grad, dazu kosten die Quartiere doppelt so viel wie zur günstigsten Zeit. Der Mai lockt mit duftenden Blüten und bereits angenehmen Temperaturen, dafür ist im September das Meer wärmer. Duchschnittlich gibt es auf Korsika nur 50 Regentage im Jahr – die Chancen auf sonnige Ferien sind groß. In den Gebirgsregionen sind Wetterumschwünge jedoch immer möglich. GUT ESSEN & GUT TRINKEN Korsische Erzeuger von Olivenöl, Käse, Charcuterie, Zitrusfrüchten und Wein wurden in einem EU-Projekt katalogisiert und auf den „Straßen der authentischen Sinne“ – den routes des sens authentiques – vermerkt. Korsischer Wein ist am europäischen Kontinent so gut wie unbekannt, aber zum Großteil von ausgezeichneter Qualität – und dazu noch erschwinglich, sogar in Restaurants darf man zu einem Flaschenpreis von 20 Euro einen sehr guten Tropfen erwarten; www.vinsdecorse.com. Cap Corse ist ein inseltypischer Apéritif, der aus Rotwein und Kräutern der Macchia gemacht wird – er ist nicht allzu süß und schmeckt am besten auf Eis mit einer Zitronenspalte; www.capcorsemattei.com. Das beliebteste korsische Bier heißt Pietra, seit den 1990ern wird es aus Edelkastanien hergestellt und ist ein großer Erfolg. Seit einigen Jahren gibt es auch das Weizenbier Colomba; www.brasseriepietra.com INFOS & WWW So gut wie jede Korsika-Frage kann vom Vorarlberger Spezialreiseveranstalter Rhomberg beantwortet werden, man trifft hier auf langjährigen Erfahrungsschatz und große Passion für die Insel: Eisengasse 12, 6850 Dornbirn, Tel.: 05572/224 20-0, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ; Website www.rhomberg-reisen.com oder www.korsika.com Das französische Fremdenverkehrsamt in Österreich heißt Atout France, Info-Telefon 01/503 28 92, http://at.franceguide.com. Auf Anfrage Diese Webseiten haben wir vor der Korsikareise besucht und wollen sie als nützlich empfehlen: Die offizielle mehrsprachige Korsika-Webseite ist www.visit-corsica.com, hier gibt es Infos zu so gut wie allen Themen; www.paradisu.at (privat, mit lebendigem Forum, sehr gute Link-Liste); www.corsica.net (Portal mit Angeboten der Tourismuswirtschaft); www.allerencorse.com (allgemeine Infos, aber Schwerpunkt auf Immobilien und Unterkünfte); www.corsica-guide.com (für Französisch-Kundige eine sehr dichte Informationsquelle); www.info.club-corsica.com (Online-Auftritt des Magazins „Corsica“, sehr aktuell) |