Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner

ROLLER-NEWS

PIAGGIO X10 500 ABS/ASR MIT NEUER MULTIMEDIA PLATTFORM


Text: Michael Bernleitner
Fotos: ALEX PHOTO, Piaggio, M. Bernleitner

DAS SUPERHIRN

Mit dem seit Herbst 2012 erhältlichen Piaggio X10 500 ie Executive stellt Piaggio die bislang leistungsfähigste Smartphone-App im Zweiradbereich vor


012_PiaggioMultimediaPlatform_kl


Die Idee ist nicht ganz neu und sie ist plausibel: Über einen Stecker einen Bluetooth-Transmitter an die Motor-ECU hängen, die unterhält sich mit dem iPhone und über das Display weiß der Rollerfahrer dann ganz genau, wie es dem Motor so geht, was das ABS so treibt, wo man sich befindet, kombiniert ist das Ganze mit weiteren nützlichen Funktionen bis hin zum virtuellen Luftdrucksensor für die Rollerreifen. Allein, eine publikumsfähige Umsetzung ist extrem aufwändig, erfordert hohe Genauigkeit und auch viel Praxisnähe, sonst ist der ganze Zauber für nix und wieder nix.

Die Piaggio Multimedia Platform (PMP), die zuerst mit der neuen X10-Gran-Turismo-Baureihe X10 (in Österreich mit 350 und 500 Kubik) eingeführt wird, ist dicht bepackt mit Features, die sogar eingefleischten App-Fanatikern das Staunen beschert. Und dabei bleibt sie auch noch weitgehend übersichtlich und bedienungslogisch. Ist die App installiert und über Bluetooth automatisch per Zündschlüsseldreh mit dem Roller verbunden (der Dock-Connector dient nur zur Stromversorgung des Handys) kann man einmal die vielen üblichen Infos eines leistungsfähigen Bordcomputers abrufen: Drehzahl, Tempo, Kilometerzähler, Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeit, Bordspannung, Durchschnittsverbrauch und aktueller Verbrauch et cetera. In der momentanen PMP-Version wird der Verbrauch in der US-abgeleiteten Version gezeigt, also wieviele Kilometer man pro Liter Treibstoff kommt. Auch gibt es als Sprach-Optionen vorerst Italienisch und Englisch, Deutsch und andere Sprachen sollen heuer im Herbst und 2013 folgen.

Dann geht die PMP noch um einiges tiefer: Auf einem extra aufrufbaren Screen können die Leistung (in kW) und das Drehmoment (in Newtonmeter) gemessen werden, die für den aktuellen Fahrzustand gerade benötigt werden. Und die iPhone-Gyrosensoren geben Auskunft darüber, welche Beschleunigungskräfte gerade auf den Roller einwirken. Beim Kurvenfahren wird sogar der genaue Schräglagewinkel gemessen und kann per Datarecording festgehalten werden. Stammtischgespräche über die superen Kurvengeschwindigkeiten auf der Hausstrecke werden dadurch auf ein neues Niveau gehoben. Wem das zu „akademisch“ ist, der kann sich über eine sehr praktische Funktion freuen: Auch der Füllstand im Benzintank wird von der PMP abgegriffen und bei zur Neige gehendem Treibstoffvorrat werden die Tankstellen in der nächsten Umgebung angezeigt.

015_PiaggioMultimediaPlatform_kl
Am schlanken, absichtlich nicht überladenen
Startbildschirm werden die Hauptfunktionen
direkt aufgerufen
016_PiaggioMultimediaPlatform_kl
Das ist der Screen, wo die aktuellen Leistungs- und Drehmomentwerte angezeigt werden; unten der
Momentan- und der Durchschnittsverbrauch

Überhaupt ist das Smartphone-GPS kunstvoll in die App integriert: Beim Ausschalten der Zündung merkt sich das System automatisch den letzten Standort. Bei Reisen in unbekannte Städte kann diese „Finde-meinen-Roller“-Funktion hilfreich sein und ist um Eckhäuser angenehmer als die unzähligen Applikationen, die einen zum Fahrzeug zurückführen sollen – aber beim Absteigen erst extra aktiviert werden müssen. Verwendet man zum Navigieren die teure TomTom- oder Navigon-Software, dann empfängt die App leider keine Motordaten, weil Buetooth nicht funktioniert, wenn das Programm im Hintergrund arbeitet. Eingehende Telefonate werden jedoch in einen eventuell vorhandenen Bluetooth-Helm/-Headset geleitet und die Piaggio-App arbeitet weiter, auch Musik kann über die iPod-Funktion des Telefons übertragen werden. Mit dem im Herbst 2012 erscheinenden Betriebssystem iOS 6 ist Google Maps am iPhone Vergangenheit – dann gibt es die Apple-eigene Kartensoftware, die auch turn-by-turn-Navigation anbietet und in das PMP eingebunden ist. Dem Vernehmen nach kann man dann Kartenmaterial downloaden und offline ohne 3G-Anbindung nutzen, das ist auf Auslandsreisen gut und kostengünstig. TomTom, Navigon oder Garmin sind dann obsolet.

Die Erinnerung zum Blinkerabschalten im Dashboard nehmen wir ebenfalls zur Kenntnis. Höchst erstaunlich ist die virtuelle Reifenluftdruckkontrolle! Weil das System den Reifenumfang bei neuwertigen, richtig aufgepumpten Reifen als Referenz heranzieht, kann über die ABS/ASR-Sensoren jede „abnormale“ Abweichung von der richtigen Umdrehungsgeschwindigkeit ausgewertet werden – bei Druckverlust oder „glatzerten“ Reifen wird eine Warnung ausgegeben. Außerdem können alle jene Bordsysteme gecheckt werden, die auch über das Piaggio-Diagnosegerät in einer Werkstatt überprüft werden. Gibt es eine Auffälligkeit, wird das Problem bewertet und eine Liste der Piaggio-Vertragswerkstätten in der Umgebung ist am Bildschirm abrufbar. Während der „motomobil“-Testfahrt mit dem X10 500 ABS/ASR konnten wir uns überzeugen, dass die Geschichte funktioniert: Einer der Teilnehmer beschädigte durch unvorsichtiges Rangieren eine vordere Bremsscheibe und prompt meldete der Selfcheck, dass der ABS-Sensor überprüft werden soll. Ein weiteres (sehr einfaches, aber sicher nicht falsches) Feature: Das Piaggio-Fahrerhandbuch für den X10 ist in digitaler Form ebenfalls mit an Bord.

017_PiaggioMultimediaPlatform_kl
Das PMP-Diagnose-System kann dasselbe wie
das in den Piaggio-Vertragswerkstätten
018_PiaggioMultimediaPlatform_kl
Die Roller-Gebrauchsanweisung ist ab
sofort in digitaler Form mit an Bord

In der Grundeinstellung ist die Piaggio Media Platform so programmiert, dass ab einer Geschwindigkeit von fünf Stundenkilometern der Touchscreen nicht mehr berührungsempfindlich ist. Dadurch sollen verspielte Naturen vor gefährlichem Allotria im Straßenverkehr bewahrt werden. Diese Einstellung kann überlistet werden, vorher muss man sich aber Haftungsverzichtserklärungen durchlesen und bestätigen. Die neuen Piaggio X10 kommen serienmäßig mit dem Bluetooth-Modul und einer Befestigungsmöglichkeit für eine iPhone-Halterung. Dieses Cradle muss man selber erwerben, daher kann man sich entscheiden, ob man eine Halterung für ein iPhone mit Schutzhülle oder ohne Schützhülle verwenden will (oder eine universelle Fixierung, wie etwa das stabile iPhone-Cradle von Touratech).

PMP soll in absehbarer Zeit in das gesamte Piaggio-Modellprogramm Einzug halten; die komplette Funktionalität ist freilich nur bei den High-end-Rollern mit ABS und Traktionskontrolle gegeben. Über den App Store in iTunes ist seit Mitte Juli eine einfache Basisversion der Piaggio Multimedia Platform gratis erhältlich; mit dem Verkaufsstart des X10 500 ie Executive im Herbst 2012 gibt es die Vollversion, ebenfalls kostenlos. In die zu erwartenden regelmäßigen Updates sollen ab 2013 auch Kundenwünsche eingebunden werden, sofern sinnvoll und umsetzbar. Für Android-Handys ist die Software ab September oder Oktober 2012 zu erwarten. Hier zeigt sich dann auch, wie ältlich das iPhone mittlerweile wirkt, das mit seinem schmalen Bildschirm unaufhaltsam ins Hintertreffen gerät. Die beste „User Experience“ der Piaggio Multimedia Platform ist sicher auf einem anständigen Bildschirm zu erwarten.
019_RinodiTanno_PMP_kl
Rino di Tanna, Cheftechniker im Aprilia Racing Department und zuständig für Scooter Innovations bei Piaggio, erläutert die neue Multimedia Platform
020_PiaggioMultimediaPlatform_kl
Sehr ausgewogene Fahreigenschaften im neuen X10 500 Executive, genauer Test in „motomobil“-Folge 010 im Oktober. Der Piaggio-X10-350-Test ist hier!
.


021_PMP_mit_Cradle



Diesen Bericht als E-Paper downloaden pdf




FINDE ICH GUT
Facebook! Mister-Wong! Twitter! Del.icio.us! StumbleUpon! Netscape! Google! Furl! Yahoo! Diigo! Technorati! Smarking! Netvouz! MySpace! Live! Joomla Free PHP