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ELEKTROROLLER-NEWS

CRANK-e – DIE ELEKTRISCHE KLASSIK-VESPA


Text: Dr. Guido Schwarz
Fotos: Crank-e
 

ZUKUNFT MIT VERGANGENHEIT

Die Strom-Vespa gibt es bereits zu kaufen. Ausgedacht, entwickelt und serienreif gemacht in Kärnten


Elektrovespa Crank-e
 


„2010 hatte ich die konkrete Idee, eine Vespa als Elektro-Blechschaltroller zu bauen. 2011 entwickelte sich die Idee zu meinem Bachelor-Projekt an der Fachhochschule Kärnten. Die erste e-Vespa wurde damals mithilfe vieler Sponsoren aufgebaut“, sagt Alexander Elbe über den Beginn von Crank-e. Mittlerweile ist das Projekt einige Schritte weiter: Mehrere Fahrzeuge sind typisiert und im Einsatz.

Der Zeitpunkt für die Entwicklung dürfte gut gewählt sein: In den nächsten ein oder zwei Jahren bringt Piaggio die „Elettrica“, eine moderne elektrisch betriebene Vespa, auf den Markt. Konkurrenz wird wohl keine entstehen – zu groß sind die Unterschiede zwischen dem neuen E-Roller von Piaggio und dem Konzept von Alexander Elbe: Das wesentliche Merkmal der Crank-e besteht im umgebauten Motor des alten Schaltrollers. Im Gegensatz zu fast allen anderen E-Vehicles bleiben Kupplung und Getriebe funktionstüchtig und werden auch verwendet.

„Wieso“, das war vor einem halben Jahr mein erster Gedanke, „soll man bei einem Elektromotor schalten?“ Die Antwort ist wahrscheinlich nur für Schaltrollerfahrer interessant: Es bleibt einiges vom Fahrgefühl einer alten Vespa erhalten. Und auch von der Geräuschkulisse, wenngleich man aufgrund des Lärms des Verbrennungsmotors die Getriebegeräusche genaugenommen nicht stark hören kann. Und doch ist hier ein Teil der Faszination übrig geblieben: die mechanischen Zahnräder, die Kupplung – nur der blecherne Sound fehlt.

Das muss kein Nachteil sein – und umwelttechnisch brauchen wir darüber sowieso nicht reden. Der „Restklang“ hat auch den Vorteil, dass man gehört wird – das ist bei vielen modernen Elektrofahrzeugen ein echtes Sicherheitsthema, und Spezialisten zerbrechen sich seit einiger Zeit den Kopf darüber, wie man entsprechende Geräusche simulieren kann. Bei der Vespa mit Crank-e-Umbaukit ist das alles nicht notwendig.

Das eigentliche Produkt ist nämlich keine fertige Vespa, sondern ein Umrüstsatz, den man kaufen und einbauen (oder einbauen lassen) kann. Das Basiskonzept dafür ist einfach: Der Motor wird geöffnet, Zylinder, Kurbelwelle und Zündung fliegen raus. Stattdessen wird die Crank-e-Kurbelwelle montiert, und dort, wo sonst die Zündung sitzt, ist jetzt der Elektromotor.

Crank-e Elektrovespa
Crank-e-Initiator Alexander Elbe
(Bild Mitte) ist stolz auf die hohe
Alltagstauglichkeit seines E-Projekts
Elektrovespa Crank-e
Auf der linken Seite ist der E-Scooter
von einer Vintage-Vespa überhaupt
nicht zu unterscheiden
 

Optisch bleibt alles erhalten. Den Kickstarter braucht man natürlich nicht mehr – aber es spricht nichts dagegen, ihn aus nostalgischen Gründen zu behalten. Lediglich der fehlende Auspuff deutet darauf hin, dass punkto Antrieb hier etwas ganz anders ist als bei einer herkömmlichen alten Vespa. Das Fahrgefühl bleibt jedoch dem der klassischen Zweitakt-Vespa sehr ähnlich. Vergaser und Tank können anderen Verwendungen zugeführt werden – bei der Smallframe-Vespa befindet sich der Akku dort, wo vorher der Tank war. Die V50 wiegt nach dem Umbau übrigens gleich viel wie zuvor.

Wie bei allen Elektrofahrzeugen handelt die erste Frage von Interessenten von der „Range-Anxiety“, also der mittlerweile hinlänglich bekannten Reichweitenangst. Eine einfache Antwort: Was willst du damit machen? Wer diese Frage ehrlich beantwortet, den schreckt wahrscheinlich eine Reichweite von 50 Kilometern nicht wirklich, denn die meisten Ausfahrten sind deutlich kürzer, und die Ladezeit für den 2300-Wattstunden-Akku ist mit zwei Stunden passabel.

Neben einer Handvoll V50 hat Alexander auch eine PK 50 umgebaut, der Kit für diese Modelle hat 4,2 kW (5,7 PS) Leistung und bringt 70 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Derzeit ist gerade eine alte GS 150 (also eine Wideframe aus 1958) im Aufbau: Hier kommt ein wesentlich stärkerer Elektromotor zum Einsatz, und auch der notwendige Aktionsradius wird durch ausreichend viele Akkupacks gewährleistet sein. Das Konzept ist übrigens so ausgelegt, dass bei einer Weiterentwicklung der Akkutechnik die Umrüstung kein Problem darstellen wird. Die Frage nach der Autarkie wird wohl in wenigen Jahren der Vergangenheit angehören.

Elektrovespa Crank-e
Elektrotrick: Statt der Zündungsplatte
wird der kräftige E-Motor samt
Kurbelwelle eingebaut
Elektrovespa Crank-e
Die blumige „flowER-POWER“ mit
Crank-E-Kit wurde von Stoffis Garage
in Oberösterreich realisiert
 

Eine wirklich alte, schöne Vespa leise und kraftvoll durch die Gegend zu bewegen – das eröffnet eine ganz neue Form des Genusses. Die Welt wird deswegen nicht von heute auf morgen elektrisch, und wahre Oldtimerfans werden sicher auch einen alten Zweitakter in der Garage behalten. Der Vormarsch der E-Scooter wird jedoch nicht aufzuhalten sein, und wir müssen uns darauf einstellen, dass die Ära der knatternden und „duftenden“ – und doch so charmanten – Oldtimer-Vespas langsam dem Ende zu geht.

Sie können in all ihren Facetten durch die modernen Elektro-Vespas nicht völlig ersetzt werden. Auch durch die Crank-e von Alex Elbe nicht – und doch wird bei diesem Konzept ein Echo aus der alten Rollerzeit viel deutlicher zu hören und zu spüren sein als bei allen anderen Konzepten.

Ob sie sich am Markt durchsetzen kann? Das wird letztlich an der Nachfrage liegen, die dem Konzept eine glänzende Zukunft oder ein kurzes Schattendasein ermöglichen wird. Ich hoffe auf ersteres. Wer seine alte Vespa umrüsten lassen will, kann sich direkt an Alexander Elbe wenden – schnell und billig wird es allerdings nicht gehen, aber wer seinen Oldtimer wirklich liebt, wird das aushalten. Dafür kann man sich sicher sein, ein außergewöhnliches Stück Technik zu bekommen – ein neues Herz für ein schönes altes Stück.

Elektrovespa Crank-e
Der bürstenlose Gleichstrommotor
mit 3-Phasen-Controller hat
4,2 kW (5,7 PS) Spitzenleistung
Elektrovespa Crank-e
Kurbelgehäuse und Getriebe bleiben,
aber Zylinder und Zündkerze
sind weg für alle Zeiten
 


INFOS & KONTAKT
Derzeit gibt es den elektrischen Umrüstsatz für die Modelle Vespa 50 N/L/R/S/Special und für die Vespa 125 Primavera/ET3. Eine leistungsstarke Version für die Vespa GS 150 (und ähnliche) ist in Vorbereitung. Der Komplettkit samt Lithium-Ionen-Akku von Panasonic kostet 3900 Euro. Nähere Auskünfte durch Alexander Elbe, Tirolerstraße 80, 9500 Villach; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ; www.crank-e.at

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