PEDELEC-TEST
STORCK MULTITASK RADDARText & Fotos: M. Bernleitner
SPORT & KOMFORTNicht alltägliches Gipfeltreffen mit Motor und zwei Pedalen: Wenn feine Teile aus Deutschland, der Schweiz, Italien und Japan zueinander finden![]() Seit 1995 baut Markus Storck in den Bereichen Mountainbike, Streetracer und Triathlon Fahrräder, die sowohl technisch als auch optisch das High end definieren. Warum sollte das der deutschen Edelschmiede nicht auch bei Pedelecs gelingen? Das Multitask Raddar in der puren Ausführung ohne Fender und Gepäckträger und mit der sperrbaren Telegabel von Suntour sieht nach Offroad aus – es ist ein ernsthaftes Trekkingbike, für das leichte Geländeausflüge keine fremde Welt sind. Die Marathon-Cross-Bereifung von Schwalbe bietet am Asphalt sehr hohen Abrollkomfort und ist trotzdem ausreichend profiliert, damit auch die Fahrt auf der Schotterstraße und am Waldboden Spaß macht. Das E-Bike ist eine Augenweide – ergonomisch perfekte Lenkergriffe, edler Sattel, stark konifizierter Lenker mit Storck-Alu-Vorbau, wunderschöne Schweißnähte am Rahmen, da passt einfach alles, das ist eine Freude. Dass Storck ein Freund der soliden Bauweise, aber gleichzeitig der strengen Vermeidung von jedem unnötigem Gramm Gewicht ist, zeigt allein schon die Tatsache, dass es keinen Schnellverschluss an der Sattelstange gibt: Wer die Sattelhöhe verstellen will, muss zum Inbusschlüssel greifen. Die Wahl des E-Antriebs ist so interessant wie extravagant: Zum Einsatz kommt ein eidgenössischer 250-Watt-Hinterradnabenmotor der Marke GO SwissDrive. Bis zur Firmen-Umstrukturierung 2010/2011 war das E-Paket als „Ortlinghaus-Motor“ im Umlauf. Mit Magnetometer (Magnetfeldsensor) ist der Pedelec-Sensor als eines der wichtigsten Elektrofahrrad-Qualitätskriterien in den Antrieb integriert, auch die komplette Regelelektronik findet hier Platz. Beim Regentransport des getesteten Multitask Raddar über 150 Kilometer auf der Ladefläche eines Pritschenwagens haben wir durch die unvermeidlich sprühende Gischt die Elektrik beleidigt (wahrscheinlich die in der Lenker-Bedieneinheit) – erst nach einigen Tagen Trocknung ist die Bedienung wieder voll funktionsfähig und das Storck zeigt seine Stärken. erkennt Druck auf die Pedale sofort und startet ohne Verzögerung die völlig lautlose Motorunterstützung. Das passiert sehr sanft, aber trotzdem nachdrücklich. Das Anfahren auch auf sehr steilen Bergaufpassagen könnte nicht komfortabler sein. Hört man zu treten auf oder bremst man, stoppt die E-Unterstützung ohne nachzuschieben augenblicklich. Bei einem Pedelec, das die Kleinigkeit von 2699 Euro kostet, sind diese Tugenden freilich zu erwarten – trotzdem ist die sehr homogene Abstimmung, die sich niemals in den Vordergrund spielt, im Storck Multitask Raddar sehr erfreulich.
Das Bedienteil am rechten Lenkerende wirkt bei erster Betrachtung sehr spartanisch, ja fast geizig: drei LED-Lämpchen, Ein-/Aus-Wippe, ein Daumenhebel, fertig. Bei eingehender Beschäftigung mit dem Storck ist diese Reduzierung jedoch sogar genial, zumindest teilweise: Per Daumenhebel kann der Unterstützungsgrad stufenlos reguliert werden – und zwar schnell und griffsicher auch im Gelände (ohne die Hand vom Lenker nehmen und irgendwo herumtasten zu müssen); außerdem muss man nicht mit Druckpunkten herumspielen und eine mehrstufige Schleife durchschalten wie bei einigen wenig ausgegorenen Konsolen. Und im Weglassen eines Tachos sehen wir den Vorteil, dass man sich selber den Fahrradcomputer aussuchen kann, der einem sympathisch ist, ob mit oder ohne GPS. Einen Fünfer mit Rufzeichen gibt’s dafür für die drei ständig leuchtenden Lämpchen, welche nichts anderes als die Batteriespannung anzeigen und daher für die Einschätzung des Ladezustands unbrauchbar sind.
Um einen Eindruck vom Ladezustand zu bekommen, muss man sich hinunterbeugen und die fünf kleinen roten LED’s direkt am Akku ablesen. Mit 252 Wattstunden ist dieser Akku nicht allzu prall, aber in der Ebene etwa 60 Kilometer und im Bergauf-Bergab-Gelände zumindest 30 Kilometer sind immer drin. Fünf bis acht Stunden Ladezeit mögen langwierig erscheinen, dafür ist dies eine Lautlos-Ladung ohne Lüftergeräusch und das handliche Ladegerät ist kaum größer als eine Zigarettenschachtel. Die 27-Gang-Kettenschaltung und die Scheibenbremsen im Wave-Design, beide von Shimano, passen sehr fein zum hochwertigen Gesamteindruck des Storck Multitask Raddar: Ausnahmslos gelingen strikte, fehlerfreie Schaltmanöver; die Bremswirkung ist mächtig, aber hervorragend dosierbar. Für die Einsatzmöglichkeiten eines Trekkingbikes sind die 63 Millimeter Federweg der Suntour-Gabel mehr als ausreichend und die Auslegung der Storck-Rahmengeometrie erscheint extrem wendig, aber ohne Anflug von Nervosität. Den durch den Autobahntransport im Regen hervorgerufenen Elektrikwurm wollen wir gerne als Ausnahmefall betrachten – sollte Storck sich noch der Sinnhaftigkeit der drei LED-Lämpchen im Display annehmen und hier nachbessern, kann das Multitask Raddar sowohl optisch als auch technisch einen hohen Maßstab setzen. Für den praktischen Everyday-Einsatz gibt es das Gerät auch in einer Version mit Kotflügel und Gepäckträger.
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