ROLLER-SPORT
DAS EISRENNEN DER YBBSTALER ROLLERFLOTTEText & Fotos: Michael Bernleitner
KAISERWETTER AN DER YBBSBereits zum vierten Mal fand am 4. Februar 2012 das Eisrennen der Ybbstaler Rollerflotte statt. Bittere Kälte rettete im Vorjahr in letzter Sekunde das frostige Erlebnis. Wir zeigen die schönsten Bilder aus 2010 und 2011![]() Schon nach vier gelungenen Veranstaltungen ist das wundersame Ereignis im Mostviertel ein zeitloser Klassiker im Rollersport. Über 40 beseelte und waghalsige Piloten, präparierte Spezialroller auf technischem Höchststand, Gaudium fürs Publikum, köstliches Spanferkel im beheizten Festzelt. Die Voraussetzungen: Kälte, ein verständiger Grundstückseigentümer, spiegelglatte Eisfahrbahn und stachelige Reifen mit zentimeterlangen Spikes. Rollerfahrer sind bekanntlich ein geselliges, fröhliches Volk. Von Frühjahr bis Herbst vergeht kaum ein Wochenende, an dem nicht getroffen wird, gefeiert, Rallyes veranstaltet und Fahrzeuge prämiert, Nighter, Allnighter und Weekender durchgestanden werden. Der Winter ist allerdings Dürreperiode. „Wir haben darüber nachgedacht, wie wir die Jahreszeit ein bisschen auflockern und welche Rollerveranstaltung da hineinpassen könnte", erzählt Patrick Lenz, Vizeobmann und Webmaster des 2004 entstandenen VC Ybbstaler Rollerflotte. „Dann ist uns das jährliche Autoeisrennen und Skijöring in Sankt Georgen eingefallen. Mit Grundstücksbesitzer Günther Tatzreiter waren wir uns schnell einig – bereits die erste Veranstaltung 2009 war ein Riesenerfolg!" Die ursprünglich für das Autorennen präparierte Piste rettete dann auch den Rollerrummel 2011: Sie hielt den Frühlingstemperaturen Mitte Jänner weitgehend stand und konnte bei den folgenden Minusgraden per Traktor und tausenden Liter Wasser wieder gehärtet werden. Die Teilnahmebedingungen sind laut www.ybbstaler-rollerflotte.at weitgehend liberal: Voraussetzungen sind funktionsfähige Bremsen, Lautstärke unter 96 Dezibel, gespikte Reifen und körperliche Tüchtigkeit, also nüchtern sein und nicht mit Gipshand daherkommen. Die genehmigende Bezirkshauptmannschaft verlangt außerdem, dass jeder Teilnehmer eine eigene Ölauffangwanne mitbringt. Dass die Mitglieder der Rollerflotte gerne Vespa-Veteranen sammeln und vor allem Schaltrollerfans sind, zeigt sich dann auch an den Fahrzeugen der Gäste: Eine bunte Mischung aus Klassikern aller Baujahre und moderneren PK- und PX-Karosserien trifft im Fahrerlager ein, das Tuning erreicht lichte Höhen von bis zu 30 kW (40 PS). Wobei auch die Klasseneinteilung liberal und keineswegs restriktiv ist: Automatikroller wären grundsätzlich willkommen, Lambretta oder LML fahren sowieso mit. Grundlage für die Teilnahme ist eine gewisse Rollerähnlichkeit, für andere Vehikel wie etwa die rasende Bierkiste oder Scooter mit Lachgaseinspritzung gibt's Sonderwertungen. ![]()
Hannes Hunger aus Krems (auf der Kinigadner-signierten Erzberg-Vespa)
überzieht mit schreckgeweitetem Blick den Drift, kann mit Glück und Geschick den drohenden Highsider parieren und bleibt mit breitem Grinsen in der Wertung Nach zwei Proberunden für jeden Teilnehmer kommen zwei gewertete Läufe. Dabei wird gegen die Uhr gefahren und nicht etwa paarweise oder in Vierergruppen wie zum Beispiel im Profi-Eisspeedway: eine Auflage der Bezirkshauptmannschaft zur Kollisionsvermeidung, außerdem will man ja nach einem Ausrutscher nicht perforiert am Montag zur Arbeit gehen müssen. Immerhin stecken um die 250 Spezialschrauben in jedem Reifen, Aufbau und Anordnung der Spikes erfolgen nach persönlichem Rezept. ![]() Die Risikofreudigkeit von Christian Buchinger setzt
enorme Kräfte Richtung Streckenrand frei Spektakuläre Drifts und kapitale Gegenschlenker gehören zur guten Show; die wenigen Abflüge verlaufen optisch wertvoll, aber allesamt gesundheitlich unbedenklich. Eine erfrischende Ybbstaler Erfindung und Mostviertler Spezialität – die bei geeigneter Wetterlage zum nächsten Mal im Jänner 2013 wiederkommt. Infos auf www.ybbstaler-rollerflotte.at |